Julia hat das vergangene Semester in NY State verbracht und dabei das Leben in unserer oberschwäbischen Metropole gegen ein typisch amerikanisches Studentendasein getauscht. So wurde sie Teil der „Orangenation“, wie sich die Studenten der Syraucuse University selbst bezeichnen. Wir haben Julia gefragt, wie sie ihr Auslandssemester organisiert hat, welche Tipps sie anderen Studierenden dafür gibt und wie es ist an einer amerikanischen Uni zu studieren.

Syracuse University

Julia (links) mit zwei Kommilitioninnen auf dem Campus der Syracuse University

Wann sollte man mit der konkreten Planung des Auslandssemesters anfangen und welche Schritte sind dabei nötig?

Man sollte wirklich so früh wie möglich mit der Planung beginnen, damit man nicht von den Fristen überrumpelt wird. HdM interner Bewerbungsschluss für die USA ist immer bereits kurz nach Semesterbeginn und damit deutlich früher als für andere Studienorte. Wenn man das Auswahlgespräch erfolgreich meistert, folgen anschließend die Bewerbung um Stipendien, die Bewerbung bei der Partnerhochschule und die Beantragung des Visum. Anschließend sollte man sich um einen Wohnort und Versicherungen kümmern, hierzu gibt es auch genaue Voraussetzungen, die für den letztendlichen Erhalt des Studienplatzes erfüllt werden müssen. Man sollte sich wirklich bewusst sein, dass sehr viel Arbeit mit der Organisation des Auslandsaufenthaltes verbunden ist, sich aber keinesfalls abschrecken lassen – es lohnt sich definitiv!

Gab es bei der Organisation etwas, das dir als besonders stressig in Erinnerung geblieben ist?  

Ja, das war zum Beispiel die Wohnungssuche und die Auswahl von Versicherungen, etwa Kranken- und Haftpflichtversicherung. Da die USA besondere Anforderungen an Studentenversicherungen stellen, handelt es sich dabei um langwierige und leider auch kostspielige Entscheidungen.

Das Studium an amerikanischen Universitäten ist ja in der Regel sehr teuer, doch es scheint auch unzählige Finanzierungsmöglichkeiten zu geben. Ist es realistisch ein Stipendium zu bekommen und wie sah das in deinem konkreten Fall aus?

An einer Partnerhochschule der HdM zahlt man generell keine Studiengebühren, wenn man die vereinbarte Anzahl von Credits nicht überschreitet. Dennoch gibt es zusätzlich Semestergebühren zu begleichen und auch die Lebenshaltungskosten sind oft mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Wenn man jedoch gute Studienleistungen und auch soziales oder ehrenamtliches Engagement vorzuweisen hat und keine 08/15 Bewerbung einreicht, hat man gute Chancen auf ein Stipendium. Ich selbst wurde etwa durch ein Fulbright Reisekostenstipendium und ein PROMOS Teilstipendium gefördert. Damit konnte ich die Kosten für den Flug, die Versicherungen, das Visum und die Semestergebühren begleichen. Die Chancen auf AuslandsBAFöG stehen ebenfalls nicht schlecht, auch wenn man in Deutschland kein BAFöG erhält, da es für die USA einen sehr hohen Grundbedarf gibt.

Wie hast du eine Wohnung gefunden? Ist das von Deutschland aus überhaupt möglich?

Die Wohnungssuche gestaltete sich leider als schwierig und raubte sehr viel Zeit… Zusammen mit einer Kommilitonin der HdM suchten wir auf verschiedenen Online-Portalen nach einer passenden Wohnung für uns beide. Jedoch waren nur wenige Vermieter oder Wohnungsgesellschaften bereit eine Kurzmiete über lediglich fünf Monate zu vereinbaren und wenn, dann nur mit deutlichem Aufschlag. Letztendlich reisten wir ohne einen unterschrieben Mietvertrag an, um uns vor Ort ein Bild zu machen – und haben nach einigem Hin und Her eine anständige Wohnung in Laufdistanz zum Campus gefunden, die wir uns noch mit zwei amerikanischen Jungs teilten.

Gibt es Tipps, die anderen Studierenden geben würdest, die eine Wohnung in den USA suchen?

Mietverträge sollten auf jeden Fall hinsichtlich zusätzlichen Kosten und Haftungsfällen genau durchgesehen werden, da es dort einige versteckte Klauseln gibt. Der „Legal Service“ der Universität hat uns hierbei unterstützt. Auch sollte man bei der Universität genau nachfragen, welche Viertel oder Straßenbereiche für Studenten geeignet sind. Von einem Block zum nächsten kann man plötzlich in eine schlechte Wohngegend geraten. Das kann man von Deutschland aus selbst gar nicht ausreichend beurteilen.

Außerdem ist es immer ratsam ausreichend früh anzureisen (ca. eine Woche im Voraus). Sowohl für die Wohnungssuche als auch für administrative Prozesse, die an der Hochschule anfallen und doch viel Zeit in Anspruch nehmen können.

Wenn du an deinen ersten Tag auf dem Campus in Syracuse zurückdenkst, inwiefern unterscheidet sich dieser von unserem HdM-Gelände?

Das ist eigentlich eine völlig andere Welt… In Syracuse studieren mehr als 21.000 Studenten, wovon fast alle auf oder um den Campus leben. Dementsprechend ist dort immer was los. Sobald ich einen ersten Fuß auf das Campusgelände gesetzt habe, habe ich buchstäblich alles hinter mir gelassen, was mich in den Monaten der Vorbereitung und den ersten Tagen in den USA so viele Nerven gekostet hat. Der Campus selbst ist traumhaft, voll mit großen Grünflächen, alten Bäumen und imposanten Gebäuden, die mit Efeu bewachsen sind und an Harry Potter und Oxford erinnern ;-).

Und inhaltlich? Welche Unterschiede gab es dabei im Vergleich zum Studium in Deutschland?

Inhaltlich haben sich die Kurse an meiner Heimat- und der Gastuniversität wunderbar ergänzt. Doch gerade die zu erbringenden Leistungsnachweise unterscheiden sich beträchtlich von Deutschland. Aktive Mitarbeit wird verlangt und auch benotet, eine No Smartphone Policy viel aktiver durchgesetzt als an deutschen Hochschulen, und auch der direkte Kontakt zum Professor ist regelmäßiger. Zudem hat mir die Verteilung von Leistungsnachweisen auf mehrere Eckpfeiler sehr gefallen. Neben Mid-Terms, Projekten und Finals, erhält man nach beinahe jeder Stunde ein Assignment, etwa eine Case Study oder einen Aufsatz, den man innerhalb weniger Tage abzugeben hat. Obwohl das oft zu einem erheblichen Arbeitsaufwand und Zeitdruck geführt hat, habe ich letztendlich das Gefühl, dass sich Gelerntes langfristig durch mehrere Wiederholungen und portionsweises Lernen besser behalten lässt.

Oft hört man, dass es an amerikanischen Universitäten viele, zum Teil ungewöhnliche Freizeitangebote gibt. Kannst du das für die Syracuse University bestätigen?

Auf jeden Fall! Es gibt dort hunderte von Clubs, denen man beitreten kann, von indischem Tanz über Archäologie-Expeditionen und Quidditch bis hin zu politischen Vereinigungen, mehrere Fitnessstudios, Sporthallen, Schwimmbäder, kostenlose Fitnesskurse, Outdoor-Touren, Kongresse, Filmfestivals, internationale Wochen, Konzerte, etc. Auch das Kennenlernen neuer Leute war kein Problem, da zu Beginn jeden Tag mehrere „Kennenlern-Events“ angeboten wurden: Auch hier reichte die Palette von Ice Cream Social über BBQs bis hin zu einer Parade in Downtown mit Kostproben lokaler Restaurants. Da war wirklich für jeden etwas dabei – man musste nur zugreifen und wurde überall herzlich aufgenommen.

Hattest du denn neben all den Freizeitangeboten und Uni-Verpflichtungen auch ein bisschen Zeit dir das Land anzusehen?

Ja, ich habe tatsächlich fast jedes freie Wochenende zum Reisen genutzt. Syracuse an sich mag keine sehenswerte Stadt sein, die „Finger lakes“-Region in der sich die Stadt befindet ist allemal sehenswert. Zudem liegt Syracuse mitten im Bundesstaat New York und hat für US-amerikanische Verhältnisse gute Verbindungszeiten zu absolut sehenswerten Städten und Ausflugszielen. In den vier Monaten Vorlesungszeit habe ich gemeinsam mit Freunden Trips zu den Niagara Falls, umliegenden State Parks, Boston, New York City, Toronto und Montreal unternommen. Während des Thanksgiving Breaks bin ich zusätzlich alleine noch nach New Orleans und Washington D.C. gereist. Aufgrund der unterschiedlichen akademischen Kalender USA und Deutschland gibt es aber auch nach dem Studium noch ausreichend Zeit zum Reisen, bei mir ging es beispielsweise in den Westen der USA.

Was nimmst du letztendlich mit von diesen insgesamt 6 Monaten deines Auslandssemesters?

Natürlich eine Menge wunderbarer Eindrücke von meinen unzähligen Reisen und dem Studium an der Syracuse University. Gerade aber das Studium an einer hochpreisigen und elitären Bildungseinrichtung, an der ich mir ein Vollzeitstudium selbst niemals leisten könnte, hat mir auch noch einmal in Erinnerung gerufen, wie groß das Privileg unseres freien Bildungssystems in Deutschland doch ist. Vor allem aber bleiben neue gute Freunde und Hochachtung vor der Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft, die ich in den USA erfahren habe!

Wenn auch ihr gerne ein Auslandssemester, Auslandspraktium oder einen Sprachkurs machen möchtet, findet ihr hilfreiche Informationen in der Rubrik Auslandsaufenthalt. Weitere Fragen beantwortet das Akademische Auslandsamt der HdM. Dort bekommt ihr auch Unterstützung bei der Organisation eures Auslandsaufenthalts.

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