Am vergangenen Montag gab Christine Ritz, Leiterin Konzern Investor Relations bei der Volkswagen AG in Wolfsburg, den Studenten des Kurses Press Relations einen spannenden Einblick in ihre Arbeit. Nach ihrem anderthalb stündigen Vortrag beantwortete sie zahlreiche Fragen rund um die Herausforderungen der Finanzkommunikation in der heutigen Zeit.

Ritz startete mit einem Überblick über den VW-Konzern und den Herausforderungen, die die Kommunikation der zwölf unterschiedlich positionierten Marken bedeutet: So gründet die Volkswagen AG z.B. kontinuierlich neue Kommunikationsbereiche wie aktuell „Digitalisierung“ und „Consumer Experience“.

Zielgruppen und Trends in der Automobil-Branche

Im Anschluss berichtete Ritz über ihre Arbeit für den Konzern mit einem Börsenwert von rund 100 Milliarden Euro. Die Zielgruppen der Investor Relations bei Volkswagen sind vielfältig und jede auf ihre Weise anspruchsvoll: Analysten, Aktionäre, Wirtschafts-Journalisten und mittelbar auch Endkunden müssen unterschiedlich angesprochen werden. Bei der Kommunikation der Zielgruppen untereinander stellt Ritz zunehmende Verbindungen fest: „Die Welten zwischen Analysten und Journalisten sind nicht mehr getrennt – hier finden enge Absprachen statt“, erklärt sie.Die sogenannte „Clearingstelle“ im VW-Konzern helfe dabei, zu einer einheitlichen Kommunikation zu kommen, so Ritz weiter. Hier werden sämtliche Kommunikationsdokumente aus den weltweit agierenden Konzernteilen zentral redigiert.

Auch externe Einflussfaktoren wie der Trend zum Carsharing oder die von der EU vorgegebene Schadstoffverordnung stellen auch die IR-Kommunikation vor neue Herausforderungen. Im Vergleich zu anderen Jobs in der Kommunikation müsse sie sich mit allen Fragen rund um den Konzern beschäftigen: „Als IR-Managerin muss man die gesamte Bandbreite der unterschiedlichsten Themengebiete abdecken, die ganze Geschichte erzählen“.

Neue Medien beeinflussen Investor Relations

Für die Studierenden des Master Elektronische Medien war auch der Wandel von Ritz‘ Arbeit in Bezug auf die Einsatzmöglichkeiten neuer Medien und sozialer Netzwerke interessant. „Twitter hat für unsere Zielgruppen im Hinblick auf Aktienkurse und harte Fakten nicht den Stellenwert“, kommentiert Ritz. Trotzdem nutzt der Volkswagen-Konzern den Nachrichtendienst z.B. zur Ankündigung des Nachhaltigkeitsberichts, um von dort aus auf die Website zu verlinken. Dies böte Journalisten einen größeren Mehrwert als die Teilnahme an einer Pressekonferenz, die bei Nachhaltigkeitsthemen natürlicherweise einen geringen Nachrichtenwert habe, glaubt Ritz.

Basierend auf dem Know-How der EMM-Studierenden regte Ritz die Diskussion über die Relevanz von Pressekonferenzen in der heutigen Zeit an und interessierte sich für die Meinung der kommenden Generation an Kommunikations-Verantwortlichen. Die Studierenden nutzen die Gelegenheit, eine Sprecherin mit großer Praxiserfahrung vor sich zu haben, um zahlreiche weitere Fragen zu stellen.

/mabu