München zeigt sich in der ersten Märzwoche von seiner kreativen Seite. Einmal jährlich treffen sich internationale Designer, Wissenschaftler und Hobby-Kreative auf Deutschlands größtem Designevent – der Munich Creative Business Week (MCBW). Prämiere feiert in diesem Jahr die Präsenz des Design Management Institut aus Boston mit einem zweitägigen Symposium zum Thema „Smart Innovation: Connecting Design to Strategy“. Bei Vorträgen internationaler Design-Koryphäen und interaktiven Breakout-Sessions werden die Potenziale von Design und effektivem Innovationsmanagement speziell im Kontext der digitalen Transformation vermittelt. HdM-Studentin Franziska Hartung war für die Recherchen ihrer Master Thesis live dabei und versucht für uns den kreativen Spirit einzufangen.

 

Ein Erfahrungsbericht vom dmi: Symposium in München, verfasst von Franziska Hartung.

Wer oder was steckt eigentlich hinter dieser „smarten Transformation“? Diese Frage haben sich die Designer im Rahmen der MCBW vom 4. bis 12. März 2017 auf die Fahnenstange geschrieben. Smart steht dabei stellvertretend für alles, was die Digitalisierung des Alltags mit sich bringt: Beschleunigung, Vereinfachung, das Abtauchen in virtuelle Welten sowie die Neuorganisation von Berufswelten und Produktionsverfahren. Während Unternehmen heute mit dieser beispiellosen Komplexität kämpfen, sehen Designer darin eine Chance, nie da gewesene Möglichkeiten zu entdecken und damit zu experimentieren. Denn „Innovationen wurden viel zu lange durch den Tunnelblick der Experten betrachtet“, so Matthias Horx und Holm Friebe vom Zukunftsinstitut. Es braucht multidisziplinäre Teams, die diese Veränderungen verstehen, interpretieren und unsere Zukunft aktiv mitgestalten.

 

Design connects

Unter diesem Motto kam in München die Elite der Vordenker zusammen – darunter auch die Non-Profit-Organisation dmi und ihre Community. Dmi bietet die weltweit größte Plattform für den Diskurs und die Vernetzung von Experten verschiedenster Design-Disziplinen und Branchen. Das Ziel dabei ist, Design als strategische Kraft zu verstehen, die komplexe Systeme vereinfacht und vermenschlicht. Für Organisationen heißt das vor allem auch die schrittweise Veränderung der Arbeitskultur und eine Neukoordination von Prozessen, die zu einer stärkeren Innovationsleistung führen. Das Symposium vermittelt entsprechendes Wissen, das auf jede Unternehmensgröße anwendbar ist. Zu den Speakern gehören CEOs und Executives US-amerikanischer und europäischer Unternehmen wie GE Healthcare, BMW Group Designworks, Ziba Design, LPK Europe und das LUMA Institute. Der Münchner Automobil-Hersteller BMW unterstützt im Rahmen der Veranstaltung als Impulsgeber mit Themen rund um die Mobilität der Zukunft und stellt mit der BMW Welt eine Location, die den kreativen Geist des Symposiums unterstreicht.

 

Design Thinking & Doing in the Age of Always-On Transformation

Zum Auftakt des Symposiums gibt der amerikanische Autor und Trainer Dr. Nelson Soken einen interaktiven Workshop zum Thema Design Thinking. Soken ist überzeugt davon, dass jeder ein Designer sein kann, denn jedem von uns wohnen Kompetenzen inne, die im Alltag von eher konventionellen Problemlösungsstrategien übergangen werden. Design Thinking setzt also als Methode auf interdisziplinäre Teams, Visualisierung und klar umrissene Schritte zur Ideenfindung. Dabei rückt es nicht nur den Menschen als Zielgruppe in den Mittelpunkt, sondern ist in seiner Vorgehensweise menschlich. In einer 40-minütigen Kreativ-Session lässt Soken die Teilnehmer in Gruppenarbeit erfahren, was das genau heißt. Die Teams werden bunt gemischt. Die Aufgabe lautet, ein neues Packaging für ein beliebiges Produkt zu entwerfen, das nachhaltig und eye-catching sein soll. Am Ende sollen die Ergebnisse mit Schere, Kleber und Buntpapier gebastelt und als Prototypen präsentiert werden. Was im ersten Moment simple klingt, birgt eine weitaus größere Challenge:

Das Team um Franziska braucht:

  • allein fünf Minuten, um sich auf den Schuhkarton als Produkt zu einigen,
  • weitere zwanzig Minuten, um das Problemspektrum des Schuhkartons heute zu verstehen und zu deuten
  • fünfzehn Minuten, um eine erste Idee gemeinsam zu visualisieren und zu bauen
  • und weitere fünf Minuten, um die erste Idee noch einmal zu verwerfen und das finale Produkt zu kreieren.

Was hinter diesen einzelnen Schritten steht, ist ein iterativer Design-Prozess, der es schafft, Menschen verschiedener Disziplinen zusammenzubringen. Das Ergebnis dabei ist nicht immer das Endprodukt, sondern vielmehr eine kreative Zusammenarbeit, die ein erhöhtes Problemlösungspotenzial erzielt.

Doch Soken betont auch: „Design Thinking is about ‚Group Genuis’, but a group of genuises is not always a genuis group.“

Insbesondere in internationalen Teams tauchen oft kulturelle Barrieren auf, die der Anwendung des Design Thinkings im Alltag oft noch im Weg stehen. Christiane Riefler, Design Strategin der BMW Group, arbeitet täglich mit der Umsetzung kreativer Methoden im Konzernumfeld und hat in Ihrer halbstündigen BreakoutSession „Design Thinking in the German Work Environment“ einen spannenden Einblick in eine sich verändernde Arbeitswelt gegeben – aber auch Klischees aufgezeigt.

 

Culture eats Design for breakfast

Tag zwei des Symposiums startet mit Keynote-Speakern, die vor allem die digitale Transformation in den Fokus der Diskussion rücken und Einblicke in die Herausforderungen verschiedener Branchen geben – darunter auch Ferdy Gilsing, Designer bei BMW Designworks, der die Zukunft des Automobils und der Mobilität aufgreift. Einen sehr inspirierenden Vortrag liefert auch Fabio Sergio, Vice President bei Frog Design, der die Rolle des Designs 4.0 thematisiert. Dabei geht er davon aus, dass der technologische Fortschritt uns als Gesellschaft bereits überholt hat und folglich der Mensch zentraler Dreh- und Angelpunkt aller zukünftigen Überlegungen sein muss. Denn wenn wir dieser Entwicklung mit Angstschweiß auf der Stirn oder mit bloßem Unverständnis begegnen, werden wir die Zukunft nicht in unserem Sinne mitgestalten können. Sergio setzt also – ähnlich wie seine Vortragspartner – in seiner Rede auf eine lebendige Innovationskultur und schließt seine Präsentation mit dem Aufruf: „Culture eats Design for breakfast.“

In Einem sind sich am Ende der Tage alle einig: „It takes time but not necessarly only Designers“.

 

Mein ausdrückliches Dankeschön gilt Herrn Prof. Eichsteller und Yasmin Dorostan für die tolle Unterstützung und die Chance, an diesem Event teilnehmen zu können. Die zwei Tage in München waren nicht nur eine Inspirationsquelle für meine Master Thesis, sondern auch eine großartige Gelegenheit viele neue Kontakte zu knüpfen. Meinen Kommilitonen und Design-begeisterten Mitstudenten kann ich an der Stelle nur wärmstens empfehlen, sich bei Gelegenheit einmal die „Creative Morning Sessions“ in München, und hoffentlich auch in naher Zukunft in Stuttgart, anzuschauen und sich zu beteiligen.

Fotos und Eindrücke der Veranstaltung findet ihr hier.

Weitere Infos zu dmi findet ihr unter: http://www.dmi.org.