Im Rahmen des Seminars Youth & Media an der HdM haben Masterstudenten Konzepte für Medienworkshops erstellt und umgesetzt. Insgesamt drei Veranstaltungen zu den Themen Social Media, Radio und Bewerbungstraining umfasste das Angebot.

Unter der Leitung von Professorin Marie Elisabeth Müller entstand bereits im Wintersemester 2015/2016 die Projektidee zu Youth & Media. Grundgedanke war unterrepräsentierte soziale Gruppen zu identifizieren und dabei zu unterstützen, ihrer Stimme in den Medien Gehör zu verschaffen – gemäß dem Stichwort ‚Media Empowerment‘. Gemeinsam mit der Kooperationsorganisation IN VIA, einem katholischen Verband für Frauen- und Mädchensozialarbeit in Stuttgart, entstanden erste grobe Workshopkonzepte. Im Sommersemester 2016 wurden diese von Masterstudenten weiter entwickelt und erstmals mit Schülerinnen der Hedwig-Dohm-Schule durchgeführt.

Am 09. Juni fand der erste Workshop zum Thema Social Media statt. Für die 90-minütige Veranstaltung besuchten die Masterstudenten die Schülerinnen an der Hedwig-Dohm-Schule in Stuttgart. Die HdM-Studenten sprachen mit den Mädchen über die Social Media Plattformen Facebook und Snapchat. Ziel des Workshops war es die Teilnehmerinnen für die Potenziale, aber auch Gefahren der sozialen Dienste zu sensibilisieren. In einem Praxisteil konnten die Mädchen unter Anleitung ihre Privatsphäreneinstellungen bearbeiten und ihnen wurde aufgezeigt welchen Nutzen Listen auf Facebook haben. Im Rahmen des Workshops wurde auch das Thema Datenschutz und die AGBs von Facebook und Snapchat thematisiert. Zum Abschluss haben die Studenten die Schülerinnen auf Do’s & Dont’s bezüglich der Selbstpräsentation auf sozialen Medien aufmerksam gemacht.

Die Teilnehmerinnen des Social Media Workshops gemeinsam mit den Masterstudenten im Austausch an der Hedwig-Dohm-Schule in Stuttgart.

Die Teilnehmerinnen des Social Media Workshops gemeinsam mit den Masterstudenten im Austausch an der Hedwig-Dohm-Schule in Stuttgart.

Die HdM Masterstudenten gemeinsam mit den Lehrerinnen vor dem Schulgebäude der Hewig-Dohm-Schule.

Die HdM Masterstudenten gemeinsam mit den Lehrerinnen vor dem Schulgebäude der Hedwig-Dohm-Schule.

Um das Thema Bewerbungsunterlagen drehte sich am 24. Juni der zweite Workshop. Acht Schülerinnen der Hedwig-Dohm-Schule kamen mit ihrer Lehrerin an die HdM, um gemeinsam mit Master-Studenten ein Bewerbungstraining mit Fokus auf Bewerbungsunterlagen zu absolvieren. Der 4-stündige Workshop umfasste eine Theoriephase zum Thema Format und Inhalt eines professionellen Lebenslaufs, Formulierungen und Inhalte für ein ansprechendes Anschreiben sowie praktische Tipps rund um die Einreichung der Bewerbungsunterlagen bei einem potenziellen Arbeitgeber. In einer Arbeitsphase wurden die vorhandenen Bewerbungsunterlagen gemeinsam bearbeitet und optimiert. Ein Highlight im Rahmen des Workshops war das Bewerbungsbild-Shooting. Im top ausgestatteten Fotostudio der HdM hatten die Studenten ein Set aufgebaut um die Teilnehmerinnen zu fotografieren. Am Ende des Tages gingen die Mädchen mit professionellen Bewerbungsunterlagen nach Hause um damit künftig bei Arbeitgebern einen möglichst positiven ersten Eindruck zu hinterlassen.

Gemeinsam mit den Masterstudenten überarbeiten die Workshop Teilnehmerinnen Schritt für Schritt ihren Lebenslauf.

Gemeinsam mit den Masterstudenten überarbeiten die Workshop Teilnehmerinnen Schritt für Schritt ihren Lebenslauf.

Im EMM-Fotostudio an der HdM wurde für jede Teilnehmerin ein neues Bewerbungsbild erstellt.

Im EMM-Fotostudio an der HdM wurde für jede Teilnehmerin ein neues Bewerbungsbild erstellt.

Der dritte Workshop im Rahmen des Seminars Youth & Media fand am 25. Juni statt und stand unter dem Namen Girls on Air.  Dieser verfolgte das Ziel, Mädchen im Alter von 14 und 16 Jahren eine Stimme zu geben. Sie sollten die Chance bekommen im Radiostudio der HdM über Themen zu sprechen, die sie bewegen. Um die vier Teilnehmerinnen an das Thema heran zu führen, wurde von den Studenten zunächst eine Einführung in die Welt des Radios gehalten. Hier wurden Inhalte wie die Arbeitsweisen im Hörfunk oder die Bedeutung von Storytelling beleuchtet. Ziel war es den Jugendlichen aufzuzeigen, dass es im Radio darum geht eigene Geschichten zu erzählen und interessant zu gestalten. Denn jede Geschichte ist erzählenswert, auch wenn sie für einen persönlich auf den ersten Blick manchmal zunächst unbedeutend erscheint. Außerdem erhielten die Mädchen eine technische Einführung in das Radiostudio von HORADS 88,6 an der HdM und konnten die ganze Technik bestaunen. Eine interaktive Themenfindung diente dazu gemeinsam zu brainstormen und Themen zu identifizieren, über die im Radio gesprochen werden könnte. Der Höhepunkt des Workshops war eine  Live-on-Tape Sendung mit den Mädchen.

Zwei Teilnehmerinnen gemeinsam mit einem Masterstudenten im Radiostudio von HORADS 88,6 an der HdM.

Zwei Teilnehmerinnen gemeinsam mit einem Masterstudenten im Radiostudio von HORADS 88,6 an der HdM.

Brainstorming Runde: Jede Geschichte ist erzählenswert, auch wenn man das manchmal nicht auf den ersten Blick erkennt.

Brainstorming Runde: Jede Geschichte ist erzählenswert, auch wenn das manchmal nicht auf den ersten Blick erkenntlich ist.

Alle drei Workshops erhielten sehr positives Feedback von den Teilnehmerinnen. Auch für die Masterstudenten war es ein erfolgreiches Seminar, und die Zusammenarbeit mit den Schülerinnen hat ihnen viel Freude bereitet.

 

Kurzinterview mit Professorin Marie Elisabeth Müller:

Wie bzw. wann entstand die Idee Medienworkshops im Rahmen des Seminars Youth & Media durchzuführen?

Seit einigen Jahren verfolge ich einen neuen digitalen Ansatz im Journalismus, der als “Social Journalism” bekannt geworden ist. Das haben Carry Brown und Jeff Jarvis als erste an der City University of New York ins Leben gerufen. Kurz gefasst geht es darum, hinauszugehen unter Menschen, ihnen zuzuhören und zu lernen, welche Daten, Informationen und Nachrichten könnten relevant für sie sein und diese Erkenntnisse dann in Geschichten umzumünzen. Das heisst, den Nachrichtenzyklus zu durchbrechen. Nicht mehr den Nachrichtenwert von Informationen und Geschichten top-down zu bestimmen, innerhalb des Newszyklus abzuleiten und dann dem Publikum und den Nutzern aufzuzwingen.

Unsere Medienworkshops funktionieren genauso. Wir haben im ersten Semester die Idee dazu entwickelt und eine NGO identifiziert, die uns mit neuen Deutschen zusammenbringt, einer unterrepräsentierten Gruppe von Menschen, mit denen wir Mediennutzung trainieren wollten, um ihnen eine hörbare Stimme zu ermöglichen. Also nicht sagen, was sie sein sollen, sondern einen Raum und Techniken geben, in denen sie reflektieren und sprechen. Und jetzt im zweiten Semester haben wir drei Workshops realisiert.

Die Idee entstand also schon im April 2015 während meines Besuch an unserer Partnerhochschule in Oslo, wo ich die NGO NorSensus kennen lernte, die mit Migranten in Oslo, Bukarest, Istanbul und anderenorts arbeitet. Das hat mich ermutigt, es an der HdM im Masterprogramm genauso zu machen. Und unser Masterdekan Prof. Eichsteller hat das auch gleich unterstützt.

Welche Motivation treibt Sie an das Projekt Youth & Media durchzuführen?

‚Empowerment‘ und ‚Relevanz‘ haben mich in meiner professionellen Erfahrung geprägt. Ich arbeite bewusst und sehr gerne an der HdM, einer praxisorientierten Hochschule, weil ich finde, Medien und Social Journalism müssen den Menschen nützen. Ich bin kein Typ für den Elfenbeinturm. Mich treibt der Wunsch an, Menschen, Türen zu öffnen, besonders auch Menschen, die nicht so privilegierten Zugang zu Bildung und Technik haben.

Hat das Projekt Youth & Media eine Zukunftsperspektive? Wie geht es weiter?

Nach den ersten drei Workshops werden wir uns mit unseren Partnern zusammensetzen und beraten, wie es weitergeht. Wir würden dieses Projekt natürlich gerne nachhaltig gestalten und fortsetzen. Ich hoffe, dass wir auch im kommenden Semester wieder Workshops gestalten und anbieten werden.