Von Assignment zu Assignment


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Mir ist aufgefallen, dass ich durch meine vielen Reiseerlebnisse noch überhaupt nichts Näheres über meine Kurse erzählt habe! Es wirkt ja fast so, als würde ich hier nur Urlaub machen ;-) Aber das stimmt definitiv nicht, denn ich kann jetzt schon sagen, dass es in die Top 2 der stressigsten Semester meines Lebens eingehen wird (und da es das letzte theoretische Semester für mich ist, wird es wohl auch an dieser Position bleiben). Studieren in Kanada ist definitiv wie in der Schule!

Nicht falsch verstehen, ich mag kleine Klassen und bin mein komplettes Studium inklusive Bachelor nichts anderes gewohnt gewesen. Eine typische Universität mit hunderten Studenten in einem Saal wäre definitiv nichts für mich. Und ich bin auch mehr der Projektarbeiten- und weniger der Prüfungs-Typ. Jetzt habe ich mir nach 5 Jahren Studium in Deutschland gedacht, dass es mir doch auch nicht schaden würde, einmal das komplette Gegenteil zu erleben. Nicht den Luxus wie an der HdM zu haben, nach der Stunde kurz zum Professor zu gehen und eine Frage stellen. Nicht jeden einzelnen Namen der Komilitonen zu kennen etc. Ich dachte eher an ein „anonymes Zusammensitzen“ mit einer Prüfung am Ende des Semesters ;-) Im Nachhinein muss ich über diesen naiven Gedanken fast lachen weil es so absurd ist es.

Studying in Canada

Als ich die erste Woche an der Brock University war, habe ich ganz erstaunt zu einer Kanadiern gesagt, dass die Größe der Uni einfach der Wahnsinn ist und ich mich die ganze Zeit verlaufe. Sie hat gemeint, dass das lustig ist weil die Uni hier zu einer der Kleinsten mit „nur“ 16.000 Studenten gehört. Als ich ihr erzählt habe, dass an der HdM nur ca. 4500 Studenten sind, konnte sie es fast nicht glauben. Umso mehr überrascht war ich, dass meine Kurse doch ziemlich übersichtlich sind. Ich bin hier im Studiengang „Business Communication“ und der Arbeitsaufwand ist wirklich ziemlich hoch. Ich will jetzt nicht sagen, dass es anspruchsvoller als in Deutschland ist, aber es ist halt einfach mehr Arbeit. Und natürlich braucht man in einer fremden Sprache immer deutlich länger…in Deutschland habe ich mir noch gedacht, dass die 3 Kurse in Kanada ja ein absoluter Witz sind, denn an der HdM haben wir manchmal bis zu 8 Fächer in einem Semester…aber glaubt mir, man ist mit 3-4 Kursen hier völlig ausgelastet! Die internationalen Studenten, die 5 Kurse belegen, arbeiten von morgens bis abends durch. Dadurch dass man hier weniger Kurse hat, ist der Zeitaufwand deutlich höher. Ich habe in jedem Kurs eine 2-stündige Vorlesung und dann noch 1 Stunde Seminar oder Lab.

Der wesentliche Unterschied

Jede Woche Readings zur Vorbereitung auf die Vorlesung, Assignments ohne Ende (teilweise in-class), Midterms und Final-Tests…ach ja und das Allerwichtigste: Anwesenheits- und Mitarbeitsnoten! Es werden hier sogar Listen geführt. Also man hat wirklich immer etwas zu tun. Meine Mitbewohnerin und ich haben manchmal Phasen, in denen wir die halbe Nacht durcharbeiten. Aber das Beruhigende an der Sache ist: Alle haben das gleiche Problem. Wenn man die anderen internationalen Studenten in der Uni trifft, merkt man vielen den Stress an. Man muss natürlich auch ehrlicherweise zugeben, dass wir an den Wochenenden oft auch mal auf Reisen sind, d.h. wir haben nur unter der Woche für das Unizeug Zeit. Aber ich will hier ja auch etwas sehen und nicht nur 1 Semester in der Bücherei gesessen haben…

Ich belege hier die Kurse „Communication for Organizations“, „Communication and Language“ und „Advanced English for Second Language Learners“. Abgesehen von dem English Kurs bin ich im Grunde mit allen wirklich zufrieden. Dieser Kurs treibt mich wirklich in den Wahnsinn weil ich mir deutlich mehr darunter vorgestellt habe. In meiner Klasse sind fast nur Chinesen, deren English mehr schlecht als recht ist. Manchmal bin ich mir nicht mal sicher ob sie Englisch oder Chinesisch sprechen ;-) Hört sich jetzt gemein an aber es ist wirklich die Wahrheit. Dementsprechend niedrig ist auch das Level…

Umso erfreulicher ist, dass die anderen beiden Kurse eine echte Herausforderung sind. Das erste Positive ist schon einmal, dass absolut nur Kanadier in den Kursen sind. In „Communication for Organizations“ müssen wir viel schreiben, u.a. Pressemitteilungen und Critical Discourse Analysis. In dem Kurs „Communication and Language“ müssen wir größtenteils Argumente analysieren, was für einen non-native speaker alles andere als einfach ist. Aber dafür lerne ich super viel!

Anbei noch ein paar Impressionen von den letzten Wochen:

So, jetzt stehen die Woche noch 2 Assignments an und morgen kommt schon meine Mama! Ich freue mich total! Allerdings habe ich auch ein bisschen Angst dass ich das alles mit den ganzen Abgaben nicht unter einen Hut bekomme…ich werde euch berichten ;-)

Bis bald,

eure Verena