Als Deutsche in England

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Von Klischees und Vorurteilen..

Vom Zweiten Weltkrieg…

Angesichts der Tatsache, dass die deutsche Nationalmannschaft kurz vor meiner Ankunft England aus der WM gekickt hatte, war ich ein bisschen skeptisch, wie die Leute in London wohl auf meine Herkunft reagieren würden. Abgesehen von ein paar äußerst patriotischen Kollegen, die sich darauf beriefen, zwei Weltkriege gegen uns gewonnen zu haben, war es aber kein Problem und jeder hat mir versichert, dass unser Team den Titel verdient gehabt hätte. Aber auch generell war es interessant zu testen, wie Menschen reagieren, wenn sie hören, dass ich aus Deutschland bin.

Der erste Satz des Vaters meiner Mitbewohnerin zum Beispiel war, dass es nur den Deutschen zu verdanken sei, dass es in London so viele schöne neue Gebäude gibt. Eine erstaunlich positive Einstellung wenn man bedenkt, dass seine aus Osteuropa stammende jüdische Familie von den Nazis enteignet und vertrieben worden war.

…über das Oktoberfest…

Den meisten Männern ist natürlich immer zuerst das Bier eingefallen und es konnte keiner verstehen, warum ich kein Bier trinke, wenn ich doch aus der Oktoberfest-Stadt München komme. Nachdem ich dann zum hundertsten Mal die Bierdiskussion führen musste, habe ich ernsthaft darüber nachgedacht, mir eine andere Herkunftsgeschichte auszudenken, die nicht das Gespräch automatisch auf Bier lenkt.

…bis hin zu deutschen Tugenden!

Ein weiteres Klischee ist die deutsche Ordnung. Meine Mitbewohnerin erzählte zum Beispiel ihrer ganzen Familie, dass ich so ordentlich bin und dass sie von nun ab nur noch deutsche Mitbewohnerinnen möchte (meine Nachmieterin ist Deutsch-Polin). Ich hab ihr nicht verschwiegen, dass auch Deutsche unordentlich sein können. Allerdings muss ich zugeben, dass es in Deutschland allgemein etwas geordneter zugeht. Zum Beispiel gibt es bei den Bussen richtige Fahrpläne und nicht nur die Angabe, alle 6 bis 12 Minuten ;-)

Im Allgemeinen sind mir eigentlich alle Menschen hier sehr offen begegnet, auch wenn ihre Familien durch den zweiten Weltkrieg auseinander gerissen oder vertrieben worden sind. Die junge Generation hat hier keinen vorwurfsvollen Unterton mehr, allerdings finde ich es auch befremdlich, dass viele hier (besonders wenn sie betrunken sind) einen Hitlerwitz nach dem anderen reißen.