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Während meiner Zeit in den USA gab es selbstverständlich auch Feiertage, Großereignisse und natürlich die Wahl. Leider erlebte ich viele Feiertag während irgendwelchen Ausflügen. So waren wir beispielsweise am Labour Day am Lake Tahoe. Wie der Name schon sagt, ist der Labour Day vergleichbar mit unsrem Tag der Arbeit. Allerdings wird der nicht am 1. Mai gefeiert, sondern am ersten 1. Montag im September. Für viele Amerikaner ist dieser Tag das Ende des Sommers und der Reisezeit. Der Tag bzw. das verlängerte Wochenende wird daher noch genutzt, um zu reisen oder Ausflüge zu machen. Reiseorte, Strände, Campingplätze etc. sind bis zum letzten Platz befüllt.

Zeitlich gesehen würde jetzt Halloween kommen, allerdings möchte ich da ein paar mehr Sätze dazu schreiben. Nach Halloween kommt Thanksgiving, was für die Amerikaner ein sehr großer gesetzlicher Feiertag ist. An diesem Tag wird an die Pilgerväter gedacht und eine gewisse Prise Erntedank spielt auch noch mit in diesen Feiertag. Der Zusammenhalt wird groß geschrieben. Es ist die Zeit des Zusammenkommens und so wird nicht nur die ganze Familie eingeladen, sondern auch Freunde und Bekannte. Sogar Professor Scott Fosdick hat uns Studenten zu sich nach Hause eingeladen. Allerdings war zu diesem Zeitpunkt schon ein Road Trip geplant. Auch Juliette lud mich ein, da sie ein großes Fest plante, was ich leider auch absagen musste. Ein wenig schade war das schon, ich hätte gerne mit ihr gefeiert, aber sie hat mir ein Stück Truthahn aufgehoben.
Ich verbrachte meinen Thanksgiving Abend mit meinen Road Trip Leuten in einem unglamourösen Denny’s Restaurant. Trotzdem haben wir traditionell Turkey, Cranberry Soße, Erbsen, Süßkartoffeln und Pumpkin Pie gegessen. Insgesamt also eine ziemlich leckere Angelegenheit. Verschenkt wird an diesem Tag nichts. Ich finde, das ist ein schöner Festtag, an dem die Menschen einfach nur so zusammenkommen und eine gute Zeit haben.

Am darauffolgenden Freitag ist dann Black Friday. Hier regiert dann wieder der Kommerz. Mittlerweile ist dieser Tag der umsatzstärkste Tag im Jahr. Hintergrund ist, dass die Läden die Weihnachtswaren ab diesem Tag im Regal haben und die anderen Artikel verbilligt los werden wollen. Daher überbieten sich die Händler seit Jahren mit Rabatten, was von den Amerikanern sehr gerne genutzt wird. Öffnungszeiten in den sehr frühen Morgenstunden, lange Schlangen und Rabattschlachten im Onlinebusiness sind an dem Tag Normalität. Das Ganze ist eben typisch für die Gegensätze in den USA. Der eine Tag ist relativ ruhig und die Familie bzw. Werte zählen und am anderen Tag ist praktisch der inoffizielle Feiertag des Kommerzes.

Ein Großereignis in meiner USA Zeit war, zumindest in Kalifornien, die Landung des Marsrovers. Zwei Tage davor und zwei Tage danach lief kaum etwas anderes im Fernsehen. Ich persönlich hatte das Gefühl, dass es Amerikas Seele einfach nur gut getan hat, mal wieder einen NASA-Erfolg zu feiern bzw. einen technischen Meilenstein zu feiern, um zu zeigen, dass man technologisch immer noch in der ersten Liga mitspielt.

Ein nächstes Ereignis war der letzte Flug bzw. der Überflug des Space Shuttles auf dem Jumbo über San Francisco und die Golden Gate Bridge. Leider habe ich dieses Spektakel verpasst. Dann wurde Amerika natürlich von dem Amoklauf in einer Grundschule geschockt. In Kalifornien habe ich mit keinem gesprochen der nicht gerne ein verschärftes Waffengesetzt hätte. Ich hatte wirklich das Gefühl und so auch sehr viele Amerikaner, dass sich dieses Mal etwas ändert, aber wirklich viel ist nicht geschehen. Die Waffenlobby ist viel zu mächtig. Jemand hat es mal so verglichen. Das Recht auf Waffenbesitz in den USA ist wie Fahren ohne Tempolimit in Deutschland. In Grundzügen ist das ein passender Vergleich. Trotz der Forderung nach einem verschäften Gesetzt, ganz aufgeben wollen viele Amerikaner dieses Gesetz nicht.

Das größte Ereignis war aber in jedem Fall die Wahl. Amerikaner gehen mit dem ganzen Thema sehr viel offener um. Man kann bei jedem nachfragen was er wählt. Man sieht in den Vorgärten sehr viele Aufsteller wen die Besitzer des Hauses wählen. Nicht wenige tragen auch Buttons oder haben Aufkleber auf den Autos. Insgesamt finde ich es sehr schön, dass grundsätzlich viel mehr zum Wählen animiert wird. Angefangen von Promis, Anzeigen, Professoren, der Stadtverwaltung, DJs, etc., bis hin zum Dekan, der an alle 35.000 Studenten schreibt, dass sie wählen gehen sollen. Nervig ist dann irgendwann, dass im Fernsehen nichts mehr anderes kommt.

An den TV-Duellen sind sehr viele Amerikaner vor den Bildschirmen um jede Aussage zu beurteilen und die kleinste Unsicherheit als Schwäche auszulegen. Mitt Romney profitierte beim ersten Duell von einer kleinen Schwäche von Obama und schaffte es so ihn sogar zu überholen. Im zweiten Duell konnte Obama wieder aufholen. Amerikaner lieben es einfach, wenn jemand kämpfen kann, nicht aufgibt und wieder aufsteht. Natürlich wird am nächsten Tag alles haarklein diskutiert. Erstaunlich für mich was, dass die amerikanischen Medien sogenannte Faktenchecker einsetzten. Im amerikanischen Wahlkampf geht es nämlich nicht immer 100% ehrlich zu, auch in einigen Medien nicht. Bekanntestes Beispiel dürfte wohl FOX sein, die doch sehr republikanisch angehaucht sind.

Am Wahltag geht es dann richtig zur Sache. Aufgrund der Zeitverschiebung, der Größe des Landes und dem komplizierten Wahlsystem, dauert das ganze Prozedere sehr lange und ist sehr spannend. Schön finde ich, dass jeder der gewählt hat, einen Sticker bekommt mit „Ich habe gewählt“. Sehr viele Amis tragen den Sticker bis in die Nacht. Ich finde, das würde auch in Deutschland vielleicht einige Nicht-Wähler zum Wählen bringen, da so ein Sticker schon ein bisschen den Druck erhöht. Wieder erwarten, hat sich dann doch sehr schnell herausgestellt, dass Barack Obama die Wahl gewonnen hat. Bis auf einen meiner amerikanischen Freunde waren alle sehr glücklich, so auch ich. Ein demokratischer Präsident, der weniger auf Verteidigungsausgaben und mehr auf die Wirtschaft und Bildung setzt ist sehr wichtig für das Land. Meiner Meinung nach liegen die USA bedingt durch die Kriege und den genannten Versäumnissen zehn Jahre zurück in ihrer Bildungspolitik und Infrastruktur. Die Amerikaner müssen jetzt was ändern, sonst verlieren sie den Anschluss an andere große Industrienationen.

Während den Wahlen fanden zeitgleich in verschiedenen Bundesstaaten Petitionen statt. Kommen genügen Unterschriften zusammen, haben Amerikaner direkten Einfluss auf die Gesetzgebung. Damit kann vieles Positive gestartet werden, allerdings kommt auch oft Quatsch dabei raus. Beispielsweise verlangt eine erfolgreiche Petition, dass die USA den Todesstern von Star Wars bauen. Aus diesem Grund musste geprüft werden, wie viel so etwas kosten würde. Natürlich wurde das Vorhaben wegen den zu hohen Kosten eingestellt. Positiv ist, dass nur auf Bundesstaaten-Ebene bei bestimmten Themen eine Vorreiterrolle eingenommen werden kann, das dann als Model für andere Staaten gilt. Beispielsweise hatten die Kalifornier die Möglichkeit eine Markierungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel einzuführen oder die Todesstrafe abzuschaffen. Leider ist beides gescheitert, was ich nicht gedacht hätte, da Kalifornien doch schon etwas weiter ist als andere Bundesstaaten. Sehr interessant ist aber, dass der Bundesstaat Arizona das Kiffen komplett erlaubt hat. Dort ist es nun ohne Medical Card möglich Marihuana legal zu kaufen.

Zwei kleine Ereignisse waren dann noch Folgende, die doch schnell aufschrecken lassen, wenn man es nicht kennt. Mitten in der Nacht bekommt man plötzlich eine E-Mail und eine SMS von der Polizei, genauer gesagt von der SJSU Campus Police und einen Tag danach noch von der Hochschulleitung. Passiert ist ein Überfall um 1 Uhr nachts auf dem Campus. Die Masseninformation ist Teil eines Systems, um die Leute zu warnen bzw. in Sicherheit zu bringen. Insgesamt kam so eine Meldung noch zwei Mal. Beim ersten Mal erschreckt man sich doch und man merkt, dass man eben nicht in Deutschland ist, sondern in den USA. Nachts auf den Straßen ist es dann doch gefährlicher als gedacht und selbst vor dem Campus wird kein Halt gemacht. Von daher ist eine eigene Campuspolizei mit entsprechendem Warnsystem sehr sinnvoll.

Eine andere Gefahren-Meldung schreckte dann noch einmal auf. Wobei die dann doch für Deutsche lächerlich ist. Die Hochschule schickt nämlich Wetterwarnungen an alle Studenten. Als Unwissender stellt man sich dann auf ein extremes Unwetter ein, doch weit gefehlt. Es hat das erste Mal, seit ich in San José war, richtig geregnet. Vergleichbar was das dann mit einem etwas stärkeren Regenschauer bzw. kleinen Gewitter. Doch selbst am Tag danach, als es noch etwas regnete, trugen sehr viel Einwohner in San José Gummistiefel, Regenhosen und -jacken. Dazu noch einen Schirm, was natürlich völlig übertrieben ist und für uns Deutsche sehr lächerlich erscheint. Die Menschen in San José sind so ein „Unwetter“ eben nicht gewohnt.