Football – Let’s go Spartans

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Es gibt viele Dinge, die typisch amerikanisch sind, allerdings ist Football eines der Typischsten. Daher besuchte ich auch so oft es ging die Footballspiele der SJSU. American Football hat in den USA den gleichen Stellenwert wie bei uns der Fußball. Fast jedes College und fast jede Universität hat ein eigenes Football-Team, die sich zur College-League zusammenschließen. Man kann das Niveau ungefähr mit der Deutschen Fußball Liga vergleichen. Die meisten Spiele werden im lokalen Fernsehen übertragen und die Mannschaften sind höchst professionell ausgestattet, so auch das Umfeld. Spieler werden Stipendien angeboten oder abgeworben. Die besten Spieler der Hochschulen werden dann von den Mannschaften der National Football League eingekauft. Man kann das mit der Champions League beim Fußball oder mit Vereinen wie Bayern München, Barcelona oder Manchester United vergleichen. Um die Uni-Mannschaften dreht sich sehr viel an den Universitäten und die Mannschaften werden auch entsprechend monetär unterstützt. So kostet beispielsweise ein Handschuh 150 Dollar, welcher aber nur in einem Spiel getragen wird. Bei mehr als 50 Spielern kommt also richtig viel zusammen, schon allein an Ausrüstung, Gehalt und sonstigen Aufwendungen. Unser Team ist zu entfernten Spielen immer mit einer eigenen Chartermaschine für das ganze Team geflogen. Auch das eigene Fernsehteam war dabei. Man merkt, das Ganze ist schon sehr professionell aufgebaut. Dementsprechend spielt der Football an den Hochschulen eine zentrale und wichtige Rolle, auch die der Identifikation. Für alle 35.000 Studenten der SJSU ist der Eintritt zu den Spielen umsonst, was auch extrem genutzt wird. Daneben gibt es ganze Fan-Kollektionen in den Uni-Shops. So ist es nicht ungewöhnlich, dass die Studenten auch unter der Woche mit Fan-Klamotten zu sehen. Bei jedem Heimspiel ist das dann fast wie ein Volksfest und die Spieler werden wie kleine Stars gefeiert.
Nicht nur Football, sondern auch Sport im Allgemeinen spielt im Uni-Alltag eine zentrale Rolle. So sind beispielsweise die Tanz- und Cheerleading-Teams bei den Spielen mit eingebunden und auch die Marching Bands sind jedes Mal mit dabei. Daneben gibt es noch ein gutes Fußball-Team und eine gute Eishockey-Mannschaft. Wie gesagt, die San José Sharks sind mit die besten, allerdings haben die gestreikt, weshalb ich dann als Ersatz zu einem Spiel der SJSU bin. Das Niveau ist sehr hoch und vergleichbar mit der 2. Eishockey Bundesliga. Ausgestattet war die Halle besser als hier in Stuttgart und das ganze Jahr bespielbar. Zu einem Spiel der San José Earthquakes, der Fußballmannschaft, habe ich es leider nie geschafft. Das sind schon alles sehr gute Trainingsbedingungen. Auch hier wird wieder die sehr wichtige Rolle des Sports in den USA deutlich. Das zeigt sich schon ab der Elementary School. Ich finde es sehr gut, dass dem Sport eine so zentrale Rolle zukommt. Hier können wir uns ein gutes Stück von den Amerikanern abschneiden.

Das Football-Team der SJSU heißt übrigens San José State University Spartans und die Farben sind wie die der Uni blau und gelb. Hier gibt es mehr über die Uni-Mannschaften: http://www.sjsuspartans.com Das Ganze ist ein echter Industriezweig und es wird einem bewusst, dass ein großer Teil der Studiengebühren in den Sport bzw. ins Football-Team und die entsprechenden Stadien fließen. Hier ihr Trailervideo 2012, welches von den Medienstudenten bzw. dem eigenen Marketing- und Fernsehteam produziert wurde.
Aber nun zum Eigentlichen, dem ca. zweiwöchigen Football-Mini-Volksfest. Los geht es für viele schon um die Mittagszeit mit dem Auszug der Fans vom Campus. Entweder werden die zwei Meilen zum Spartan Stadium gelaufen, oder man fährt mit den extra von der SJSU bereitgestellten Bussen. Egal wie, der blaugelbe Tross setzt sich dann schon lange vor Spielbeginn in Bewegung. Die Studenten in perfekter Montur mit Sixpack in der Hand und die Studentinnen mit ultrakurzen Hotpants und kunstvoll aufgeschlitzten Fan-Shirts bzw. fast gar nichts. :-) Der Grund, warum sehr viele schon so früh da sind, liegt an der Erscheinung des Tailgating.

Tailgating ist kurz umschrieben ein riesen Besäufnis auf dem Parkplatz vor dem Stadion, da weder im noch auf dem Weg zum Stadion getrunken werden darf. Diese Tradition ist in den ganzen USA beliebt. Der Name Tailgate rührt daher, dass die Amis mit ihren Pick-ups auf den Parkplatz fahren, die Ladeklappe hinten als Tresen benutzen und grillen. Wie immer wird das von den jüngeren Leuten übertrieben und so ist Tailgating nicht nur für Familien, sondern auch für feierwillige Jugendliche und Studenten. Mittlerweile ist oft das Tailgating wichtiger als das Spiel. Außerdem ist das Ganze professionalisiert und es sind Zelte von Sponsoren wie Red Bull und Co. da, die DJs und Getränke mitbringen. Aber auch die privaten Leute legen auf ihren Pick-ups auf, grillen mit Monstergrills oder verkaufen sogar. Selbst die Polizei und die Army sind auf dem Gelände und rekrutieren Leute mit coolen DJs und Spielen. Wie schon erwähnt, muss man in USA seine alkoholischen Getränke in braunen Tüten zu sich nehmen, um die Jugend zu schützen. Auf dem Gelände vor dem Stadion ist das den Polizisten dann egal. Hier laufen komplett betrunkene Jugendliche mit Alkohol in der Hand an kleinen Kindern und Polizisten vorbei und es passiert nichts. Aber wehe man setzt einen Fuß außerhalb des Parkplatzes, dann wird gleich wieder hart durchgegriffen. Einmal mehr ein Beispiel für die Doppelmoral in den USA. Mit dem Alkohol geht das sogar so weit, dass sich neben Beer Pong sogar mit Beer Bongs, also einem Trichter und einem Schlauch, betrunken wird. Krönung ist dann, dass man einen Handstand auf einem großen Bierfass machen muss und sich kopfüber das Bier durch einen Schlauch mit voller Dröhnung in den Magen pumpt. Bei mehr als 30°C im Schatten, bzw. in der prallen Sonne im Stadion, führt das dann oft zu Ausfallerscheinungen. Die meisten können sich aber beherrschen und so ist das Tailgating immer ganz cool gewesen. Auf meinem Video habe ich auch ein paar Impressionen vom Tailgating mit angeführt:  http://www.youtube.com/watch?v=dOiohq8NYLA

Danach geht es dann schnell noch einen Hot Dog für acht Dollar holen und ab ins Stadion. Hier gibt es einen extra Bereich nur für die SJSU-Studenten. Übrigens müssen normale Besucher 40 Dollar Eintritt zahlen. Ein stolzer Preis, wie ich finde. Neben den Studenten ist dann ein kleiner Bereich für alle höheren Verbindungsstudenten. Links neben dem Studentenbereich sind die Plätze für die Marching Band. Bei jedem Ereignis spielen sie dann Fanfaren etc. Oder eben in der Halbzeit und bei Cheerleader-Auftritten. Diese sind vor den Studenten platziert und animieren das ganze Spiel die Zuschauer. Warum und wie genau, dazu komme ich gleich. Nach einigen Vorstellungen und Werbespots via Vidiwall spielt dann die Marching Band die Nationalhymne. Das darf natürlich bei keinem Spiel fehlen. Inbrünstig stehen alle Zuschauer auf, legen sich die Hand aufs Herz und einige singen sogar mit. Anders habe ich mir das auch ehrlich gesagt nicht vorgestellt und ich wäre enttäuscht gewesen, wenn es nicht so gewesen wäre. Es hat mit der Marching Band, gerade in der Halbzeit auch etwas Militaristisches. Als Deutscher ist dieser Patriotismus und Nationalstolz aber trotzdem ungewohnt.

Ich habe euch hier mal die genauen Regeln für American Football. Ansonsten ist das Spiel relativ einfach zu begreifen. Grundsätzlich geht es um Raumgewinn. Die ballhabende Mannschaft muss es innerhalb von drei Versuchen schaffen, das Ei zehn Yards weiter zu bringen, was ungefähr 10 Metern entspricht. Schafft sie es nicht, geht das Ei and andere Mannschaft, welche Selbiges versucht. Ziel ist es, das Ei in der Endzone zu fangen oder damit hineinzulaufen. Das ist dann der Touchdown, der 6 Punkte ergibt. Nun hat die Mannschaft noch die Möglichkeit das Ei durch das Tor zu kicken, was noch einmal einen Punkt bringt. Sieger des Spieles ist, wer nach Ablauf der 4 x 15 Minuten die meisten Punkte hat. Aufgrund der vielen Pausen kann das aber auch mal vier Stunden dauern. Ein Spielzug dauert meist nur wenige Sekunden und die elf Spieler müssen sich wieder neu positionieren. So entstehen sehr viele Verzögerungen, in denen dann oft die Cheerleader oder die Marching Band das Publikum entertainen. Gerade die Cheerleader sind fester Bestandteil des Footballs und begeistern mit oft waghalsigen Choreografien, zudem sehen die Mädels auch noch ganz nett und durchtrainiert aus. Nicht selten sind dann wie in den Filmen Cheerleader mit Football-Spieler zusammen.

Halftime Show: http://www.youtube.com/watch?v=rgUkBnZrLUk

Für uns Europäer ist diese Art von Spiel sehr schwierig anzusehen, da es keinen kontinuierlichen Spielfluss gibt. Umgekehrt ist es für Amerikaner. Die sind es gewohnt Pausen zu haben, mit kleinen Werbespots, viele Tore zu sehen und sie finden einen kontinuierlichen Spielfluss langweilig. Ich muss zugeben, dass sich die Spiele doch etwas ziehen, aber wenn sie dann mal kurz spielen, ist es echt spannend und es ist schon ziemlich cool, wenn es dann Bodychecks gibt oder beide Mannschaften auf einem Haufen liegen. Ein Football-Spiel kann sich auch relativ schnell drehen und eine kann Mannschaft im letzten Quarter alles gewinnen bzw. verlieren. In der Halbzeit gibt es dann die Halbzeitshow der Marching Band, der Cheerleader und Tänzer etc. Ansonsten werden Veteranen geehrt, die Army macht Liegestütz, es gibt Kiss- und Fan-Cams usw. Es ist auf jeden Fall viel geboten. Gerade das Miteinander, das Drumherum und die Volksfeststimmung sind ansteckend und machen die Footballspiele so schön und zu einem Erlebnis. Es hat schon was, wenn man mit Kommilitonen sein eigenes Uni-Team anfeuern kann. Das sorgt für Zusammenhalt und ist montags natürlich ein Gesprächsthema. Ich bin immer sehr gerne zu den Spartans gegangen, da sie in dieser Saison auch sehr viele Spiele gewonnen haben. In der College League sind mehrere Hundert Mannschaften, von denen die Spartans vorne mit dabei waren und daher zu den Endspielen eingeladen wurden. Mir hat es immer sehr viel Spaß gemacht, da alles so stereotypisch und amerikanisch war. Ich bin zwar kein Fan davon, aber ein bisschen cool ist es dann doch mit dem ganzen Drum und Dran. Hier einige Bilder von verschiedenen Spieltagen.