All my bags are packed – bye bye Scotland!

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Ich stehe mit 2 gepackten Koffern in einem leeren 10m2 großen Zimmer und blicke mich um. Vor 2 Stunden hingen hier noch Bilder, Klamotten lagen auf dem Boden und mittendrin ich, verzweifelt, wie ich alles unterbringen soll. Doch ich habe es geschafft vier Monate in 2 Taschen zu packen. Unglaublich wie schnell die Zeit vergangen ist.

Mein Leben in Hamilton

Meine Mitbewohnerin hat mich gefragt „Tinka, what will you miss most?“. Gute Frage, was werde ich am meisten vermissen? Ich glaube, das Zusammenleben mit so unterschiedlichen Charakteren. Ich hatte mit meiner WG im Studentenwohnheim Glück. Wir waren zu sechst: eine Finnin, eine Engländerin, zwei Deutsche und zwei Schottinnen- eine bunte Mischung und es hat gut harmoniert. Wir haben immer viel unternommen, zusammen gekocht, Tagesausflüge gemacht und Flat-Party´s geschmissen. Generell war im Studentenwohnheim immer was los, man hat sich nie gelangweilt und konnte sich trotzdem zurückziehen, wenn man mal seine Ruhe haben wollte. Ich habe jedoch in anderen Wohnungen auch andere Beobachtungen gemacht. Disharmonie aufgrund unterschiedlicher Einstellungen bezüglich der Einhaltung von Putzplänen, zu verschiedene Tagesrhythmen oder zu große Altersunterschiede. Im Studentenwohnheim leben überwiegend junge Bachelorstudenten, die gerade frisch aus dem Elternhaus ausgezogen sind, ihre Prioritäten hauptsächlich auf Feiern und Alkohol legen. Das Studentenwohnheim hat zudem ziemlich strenge Regeln. Gäste müssen mit genügend Vorlaufzeit eingetragen werden und dürfen nur einen Tag pro Woche im Wohnheim übernachten. In regelmäßigen Abständen wird überprüft, ob sich die Wohnungen und die Zimmer in einem sauberen Zustand befinden und Autoritätspersonen dürfen jeder Zeit und ohne Voranmeldung die Apartments und Zimmer betreten. Daher bin ich mir auch nicht sicher, ob ich einen Aufenthalt im Wohnheim uneingeschränkt empfehlen würde. Man knüpft sehr schnell Kontakte und ist in direkter Universitätsnähe. Wer jedoch viel Wert auf Privatsphäre und Sauberkeit legt sowie gerne viel Besuch aus Deutschland bekommen möchte, sollte sich die Entscheidung überlegen.

Lernerfolg an der UWS

Wer ein Auslandssemester während des Masterstudiums in Schottland machen möchte, dem würde ich empfehlen, erst einmal drei Semester an der HdM zu studieren, um akademisch so viel wie möglich mitzunehmen und das letzte Semester vor der Masterarbeit zu nutzen, um im Ausland noch einmal Erfahrungen zu sammeln und seine Englischkenntnisse aufzufrischen. Denn im Vergleich zur HdM war das Level an der UWS eher niedrig. In einigen Modulen wurden uns Marketing-Grundlagen vermittelt, die ich bereits während des Bachelorstudiums intensiv durchgenommen habe. Es gab jedoch auch Kurse wie „Research Methods“, wo es darum ging, sich mit der Recherche für seine Masterarbeit zu beschäftigen. So konnte ich für meine eigene Masterarbeit so manches mitnehmen. Der Professor hat gutes Feedback gegeben und mit uns intensiv über die Themen und Recherchemethoden für die Masterarbeit diskutiert.

Must-See

Wenn man sich ausschließlich in Hamilton aufhält, kann es auf Dauer langweilig und eintönig werden, deshalb rate ich jedem, so oft wie möglich nach Glasgow zu fahren und durch die Highlands zu reisen. Ich habe in meinen letzten Blogeinträgen schon einiges über die Highlands berichtet, hier möchte ich jedoch noch einmal eine kurze Zusammenfassung und Tipps geben:


Glasgow: Wer Großstadtflair haben möchte, ist in Glasgow genau richtig. Die Stadt hat eine kulturelle, alte Industriestadtatmosphäre mit vielen tollen Läden, einer großen Musikszene und sehr viel Nightlife. In Westend/Hillhead sollte man sich unbedingt die wunderschöne Glasgow University anschauen und die schottische Spezialität „Haggis“ im Restaurant „Bothy“ probieren. Wer auf Whiskey steht, dem kann ich die Whiskey Destillerie „Glen Goyne“ empfehlen, die sich in einem Tal in den südlichen Highlands befindet. Von Glasgow dauert die Anfahrt nur 30 Minuten.

Edinburgh: Eine tolle, historische Stadt. Die „Old Town“ ist besonders schön und interessant. Hier findet täglich eine Stadtführung statt, die kostenlos und wirklich gut ist. Ein empfehlenswertes Kaffee in der Old Town ist das „Elephant House“. Hier hat Joanne K. Rowling zum Teil die Harry Potter Bücher geschrieben. Das bekannte Castle liegt auch in der Old Town, ist jedoch etwas überteuert (knapp 20 EUR) und beinhaltet noch nicht einmal eine Führung. Unbedingt noch die Untergrund-Führung „Mary Kings Close“ machen. Hier sollten man im Vorfeld reservieren. Ca. 10 Min. Fußmarsch von der Old Town gibt es einen wunderschönen Hügel, Calton Hill, auf dem man eine 360Grad-Sicht auf Edinburgh hat. In der „New Town“ (Princess Street) gibt es ein paar nette Kaffees und ganz schöne Geschäfte zum Shoppen. Beide Stadtviertel kann man gut in 2 Tagen ablaufen.

Highlands: Man kann wunderbar mit den Citylink-Bussen durch die Highlands fahren. Die Busse sind günstig und man kommt bequem von A nach B. Zum Beispiel von Glasgow nach Inverness, Hauptstadt der Highlands. Auf dem Weg nach Inverness fährt man durch den schönen Cairngorms National Park. Von Inverness sind es dann nur noch ca. 20 Min. zum Loch Ness. Wenn das Wetter gut ist, kann man eine Ness Boot-Tour machen. Man überquert einmal den gesamten See mit einem Stop am schönen Urquhart Castle. Vom Loch Ness dauert es ca. 3 Stunden zur Isle of Skye.

Isle of Skye: Traumhafte Insel. Hier würde ich mindestens 3 Tage verbringen und die gesamte Insel abklappern: Old Man of Stone, Kilt Rock, Coral beaches, Dunnegan Castle, The Black Cullins. Wenn man Whiskey mag, lohnt sich unbedingt ein Stop an der bekannten „Tellisker Destillerie“.

Must-Know

Wer ein Auslandssemester in Schottland macht, der sollte bereits im Vorfeld ein paar Redewendungen kennen. Das erleichtert, besonders am Anfang, die Schotten besser zu verstehen.


Aye=yes

naw=no

noo=now

wee=small

hen=female

a piece=sandwich

steamin=very drunk

eejit=idiot

‚dinnae ken’=Don’t know


Fazit
Es war im Großen und Ganzen ein tolles Semester mit vielen schönen Erfahrungen und neuen Bekanntschaften aus der ganzen Welt. Man lernt in einem Auslandssemester definitiv Herausforderungen zu meistern und sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden. Ich denke, vieles hängt auch davon ab, was man selbst daraus macht.