Die kleinen Unterschiede

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Der Semesterendspurt macht sich langsam aber sicher bemerkbar. Meine Kommilitonen und ich bewegen uns mit großen Schritten auf die finale Präsentation im Kurs „Future of Media“ und das große Abschlussassignment in „Social Media Technologies“ zu. Nach gut drei Monaten aktivem Studium an der KTH Stockholm ist es nun an der Zeit für eine Zwischenbilanz.

Das Semester

Das Wintersemester an der KTH beginnt bereits Ende August. Die erste Prüfungsphase endet Mitte Dezember. Im Januar gibt es dann noch eine Chance für Widerholungstäter. Zwischen Winter- und Sommersemester ist gerade einmal eine Woche Pause und es geht Anfang Januar quasi nahtlos weiter. Dafür sind aber ab Ende Mai schon Sommerferien. Konkrete Termine können im Akademischen Kalender eingesehen werden. Ein Semester ist in zwei Perioden von jeweils acht Wochen unterteilt. Am Ende jeder Periode ist eine Prüfungswoche angesetzt.

Normalerweise ist ein Kurs auf eine Periode beschränkt. Nur wenige Lehrveranstaltungen erstrecken sich über das ganze Semester. Mit der unter deutschen Studenten verbreiteten Aufschiebementalität á la „Vor der zweiten Semesterhälfte lasse ich mich lediglich berieseln und fange dann ganz langsam an zu arbeiten“ kommt man hier also nicht weit.

Der Stundenplan

Anders als in Deutschland variiert der Stundenplan von Woche zu Woche stark, was ein Nachteil für alle Studenten ist, die nebenher Arbeiten gehen. Es ist üblich, dass ein Kurs mehrmals die Woche stattfindet, da durch das Periodensystem in der Hälfte der Zeit derselbe Workload erbracht werden muss. Zudem finden Lehrveranstaltungen selten in ein und demselben Hörsaal statt. Ich habe in meiner Zeit hier fast jedes KTH-Gebäude kennengelernt. Zum Glück habe ich am Arrival Day eine Campus Map erhalten.

Ist man für eine Lehrveranstaltung bereits angemeldet werden die Termine automatisch im persönlichen Stundenplan aktualisiert. Möchte man sich schon vor der Anmeldung über vorläufige Termine informieren, geht das hier: Unter „Typ“ einfach „course“ auswählen, den Namen der Kurses eingeben und suchen. Ich vermisse wirklich das einfache und intuitive Stundenplansystem der HdM-Website!

Die Lehrveranstaltungen

Grundsätzlich werden die Lehrveranstaltungen wie bei uns auch in Vorlesungen und Seminare unterteilt. Die beiden Kurse, die ich hier belege bestehen aus beidem. Basis ist meist eine Vorlesung des Professors oder eines Gastreferenten zu einem bestimmten Thema. Danach erhalten die Studenten etliche Seiten an zu lesender Kursliteratur und eine Aufgabe (Assignment), die zu Hause vorbereitend für das folgende Seminar zu erledigen ist. Im Seminar wird das Thema der Vorlesung dann nochmals aufgegriffen und diskutiert.

Manchmal habe ich dabei das Gefühl, dass wir Themen im Seminar totreden oder zum reinen Selbstzweck diskutieren, ohne ein nennenswertes Ergebnis zu erzielen. In anderen Fällen ist es dann wiederum sehr interessant derart in die Tiefe zu gehen und vor allem die Meinungen anderer Studenten mit anderen kulturellen hitergründen zu hören.

Die Prüfungsleistungen

Es gibt hier wenige Kurse unter 5 ECTS, was bedeutet, dass pro Periode maximal 3 Kurse belegt werden, pro Kurs der Workload aber auch relativ hoch ist. Die Berechnung der Prüfungsleistung ist teilweise ziemlich verwirrend. Es gibt nicht eine große Leistung, wie z.B. eine Präsentation, eine Projektarbeit, eine Hausarbeit oder eine Prüfung, sondern eine Kombination aus etlichen kleineren und größeren Aufgaben. In meinem Kurs Social Media Technolgoies z.B. wird meine Note aus folgenden Komponenten berechnet:

Anwesenheit bei Gastvorträgen
Petcha Kutcha Präsentation zur Vorstellung meiner Person
Wöchentliche, schriftliche Assignments mit Bezug auf Kursliteratur
1 Videoblogbeitrag zu einem akuellen Thema
12 passende Tweets, die den Kurs-Hashtag #DM2578 enthalten
Finales Assignment in der Prüfungswoche

Aber damit nicht genug: Zur weiteren Verwirrung trägt bei, dass eine Deadline für ein Assignment keine richtige Deadline ist. Reicht man das Assignment nach dieser sogenannten „Deadline“ ein hat man nicht etwa den Kurs nicht bestanden, sondern bekommt lediglich Punktabzug. Weniger ist manchmal mehr, aber ich bin mittlerweile ziemlich stolz auf mich, dass ich weiß, was ich alles bis wann gemacht haben muss… hoffe ich zumindest!

Das Informationsmanagement

Ich habe etliche Anlaufstellen um mich über meine Lehrveranstaltung zu informieren. In beiden meiner Kurse gibt es mindestens einen Kursblog. Hier informiert uns unser Professor über aktuelle Änderungen und Aufgaben. Aber auch wir sind angehalten, uns auf dem Blog zu beteiligen indem wir z.B. den Stand unserer Arbeit posten. Im Fach Future of Media gibt es zusätzlich noch eine repräsentative Website und eine Facebookseite. Außerdem dürfen natürlich die Teaminterne obligatorische Facebookgruppe und der Dropboxordner nicht fehlen.

Für den Datenaustausch wird das Hochschuleigene e-learning System „Bilda“ verwendet. Hier erhält man Templates, Kursfolien und hier lädt man außerdem die wöchentlichen Assignments hoch. Es besteht also eigentlich keine Gefahr irgendetwas zu verpassen, höchstens etwas auf Grund der Masse an Informationen zu übersehen.


Die Gruppenarbeit

Im Kurs „Future of Media“ komme ich auch hier in den Genuss der Studentischen Projektarbeit im Team. Die Projektarbeit an sich unterscheidet sich wenig vom deutschen Pendant. Erstaunt war ich lediglich über das langwierige Verfahren der Gruppenbildung. Während an der HdM meist ein Thema vorgegeben wird und die Teams in einem Hauruckverfahren basierend auf persönlicher Zuneigung, Gewohnheit oder höherer Gewalt gebildet werden, ist die Teamzusammenstellung hier eine Wissenschaft für sich.

Allein die Wahl der Projektthemen dauerte drei Wochen. Danach wurden wir dann basierend auf Angaben zu persönlichem Interesse und der geplanten individuellen Leistung einer Gruppe zugeteilt. Das Ergebnis: Die Teamarbeit unterscheidet sich nach meiner Einschätzung nicht großartig von der, die ich bisher erlebt habe.

In einem Monat ist das Semester dann auch schon vorbei und ich werde an den Ergebnissen sehen, wie ich mich in diesem ungewohnten System gemacht habe. Ich halte euch natürlich auf dem Laufenden!