Hej Då Stockholm!

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Was soll das, Stockholm? Ich dachte du wirfst mich mit garstigem Wetter, bitterer Kälte und Dunkelheit raus. Stattdessen fährst du mit romantisch verschneitem Stadtpanorama, Weihnachtsdekoration und manchmal sogar Sonnenschein auf und machst mich wehmütig, weil ich dich bald verlassen muss. Das ist nicht fair!

Abschiedsschmerz

Jetzt sind es noch zweieinhalb Tage (drei Mal schlafen) bis ich mein Auslandssemester hier beende und nach Deutschland zurückkehre. Wir haben sowohl das Home-Exam in Social Media Technologies, als auch die große Abschlusspräsentation überstanden. Die ersten Mitstreiter haben sich schon in die Heimat verabschiedet. Die Wohnung ist geputzt und in den Anfangszustand versetzt, die letzte Maschine Wäsche ist gewaschen, der Kühlschrank leergeräumt. Alles riecht nach Abschied.

Jetzt fehlt nur noch ein letzter Gang an die KTH, um die Unterschrift zur Bestätigung meiner Anwesenheit in International Office abzuholen, dann war’s das auch schon. Und so sehr ich mich die ganze Zeit auf zu Hause gefreut habe, siegt nun gegen Ende doch der Abschiedsschmerz, vor allem, weil sich Stockholm in den letzten Tagen von seiner schönsten Seite zeigt.

Vorweihnachtliches Stockholm

Anfang Dezember hat es angefangen zu schneien und seitdem ist die Stadt weiß. Es ist richtig kalt, was weniger störend ist, als das nasskalte Regenwetter im November. Natürlich hat der Wintereinbruch auch Nachteile: Die kleine Bimmelbahn, die uns bisher immer pünktlich nach Hause gebracht hatte, fährt nur noch sporadisch und Sightseeing im Schneesturm macht auch wenig Sinn. Alles in allem mag ich aber das weiße Stockholm, vor allem seit überall Weihnachtsschmuck leuchtet. Und ich werde es vermissen.

Was ich vermissen werde…

…das Wasser, die Parks, die saubere Luft, den Campus der KTH, die KTH-Bibliothek, Fika im Café Muggen oder Café 60, Fußball schauen in der Retrobar, spontane Schiffstouren, meine Laufstrecke im Wald in Täby, freundliche Busfahrer und Schaffner, dass es überall nach Zimt riecht, Nachos am Freitag, die roten Häuschen, Leo, Jens, Anne, Sven, Severin, Christoph, Daniel, Matthias, Felix und Sebastian, besonders aber meinen zweifachen Mitbewohner Fabi.

Auf was ich mich freue…

…meine Familie und meine Freunde, deutsches Brot und Brezen, Döner, Auto fahren, U-Bahnfahrer mit einer Zwischenstufe zwischen Vollgas und Vollbremsung, meinen ersten Einkauf in einem deutschen Supermarkt, längere Tage und kürzere Nächte, eine Wohnung ohne benachbarten Band-Probenraum, den Euro und alles was ich dafür in Deutschland kaufen kann, Drogeriemärkte, ein ordentlich versiegeltes Badezimmer, Lesen und Schreiben auf deutsch, auf eine neue Herausforderung und einen neuen Mitbewohner.

Das Ende

Die beiden Listen halten sich also so ziemlich die Waage. Da ich aber eine der wenigen Erasmusstudenten bin, die jetzt noch übrig geblieben sind, freue ich mich dann doch einfach auf Weihnachten im Kreise meiner Lieben und höre jetzt auch auf mit der unnötigen Melancholie. Schließlich ist das ja nicht einmal mein letzter Beitrag. Das Auslandsemester ist nicht abgeschlossen… Nicht bis mir meine Kurse, die ich hier gemacht habe in Deutschland angerechnet wurden. Und ich habe die Befürchtung, dass das ein wenig kompliziert werden könnte. Aber das ist eine andere Geschichte und soll im nächsten Blogbeitrag erzählt werden. Aus Stockholm war’s das erst mal.

Ich danke allen fleißigen Lesern und wünsch euch frohe Weihnachten!