Auslandssemester in der Türkei

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EMM-Student Benjamin Schaufler verbrachte sein Sommersemester 2012 in Istanbul/Türkei. An der Yeditepe University hat er den Master Social Media Management studiert.

Wie lange warst du im Ausland?

Ich war 4,75 Monate in der Türkei, davon 4 Monate während des Studiums in Istanbul und 3 Wochen auf Reisen entlang der Süd-West Küste der Türkei.

Sprache des Landes

Türkisch

Einschätzung deiner Sprachkenntnisse vor Antritt deines Aufenthalts

Keine Kenntnisse in Türkisch, die Vorlesungen wurden auf English gehalten. Während des Auslandssemesters habe ich einen Türkischkurs an der Yeditepe Universität gemacht.

Wie bist du an den Platz gekommen?

Ich habe mich im Auslandsamt der HdM für das Erasmus-Stipendium beworben und mir danach eine Universität ausgesucht, an der ich studieren wollte. Das AAA musste dann erst noch einen Partnerschaft für meinen Wunschstudienschwerpunkt mit der Universität abschließen. Abschließend wurde ein Learning Agreement über die zu absolvierenden Fächer abgeschlossen.

Wie lange vorher hast du angefangen zu planen?

Ich habe mich 8 Monate vor Antritt meines Auslandssemester im Auslandsamt beworben – das war mein Start. Einen Monat vor Abreise habe ich mich mit befreundeten Türken in Istanbul kurzgeschlossen, um ein geeignetes Quartier zu organisieren.

Wo hast du dich informiert? Wie hast du dich vorbereitet?

Hauptsächlich habe ich mich über Istanbul über befreundete Türken informiert. Zusätzlich habe ich mich mit den Koordinatoren der Yeditepe Universität über Beginn und Formalitäten des Studiums informiert. Einen Monat vor Beginn des Semesters habe ich den Flug gebucht und etwa eine Woche vor Antritt ein paar Nächte in einem Hostel in Kadiköy reserviert.

Wie hoch sind deine Lebenshaltungskosten?

Für die Wohnung, die ich mit drei anderen Erasmus-Studenten zusammen gemietet habe, habe ich ca. 250 € bezahlt. Essen und Trinken schlugen etwa mit 150 € zu Buche, wobei ich fast nur in den vielen Fast Food Restaurants in der Nähe meiner Wohnung essen war.

Wie finanzierst du den Aufenthalt?

Über Auslands-BAföG und ERASMUS.

Wo wohnst du? Wie hast du deine Unterkunft gefunden?

In Kadiköy auf der asiatischen Seite von Istanbul im dort beliebtesten Stadtteil. Die Wohnung haben wir über einen türkischen Makler gefunden. Vorsicht: Sprachbarriere.

Wie lief die Visumsbeschaffung ab?

Die Visumsbeschaffung war sehr aufwendig und teuer. Zuerst musste ich ein Einreisevisum in der Türkischen Botschaft in Stuttgart besorgen was um die 60 Euro kostete. Schlimmer war es bei der Polizei in Istanbul die Aufenthaltsgenehmigung zu besorgen. Dafür musste ich zweimal etwa 1 h lang in einen anderen Stadtteil fahren: Einmal, um die Genehmigung zu Beantragen und das andere mal um sie abzuholen. Das dauerte allem in allem mindestens einen Tag, wegen Chaos und schlechten Englischkenntnissen der Beamten. Dafür mussten viele Formalitäten besorgt werden und Achtung: das Antragsformular für die Aufenthaltsgenehmigung muss in Farbe gedruckt werden, wegen der türkischen Flagge, die sich auf jedem Blatt im Header befindet. Das Ganze kostete nochmal um die 80 Euro.

War alles so, wie du es dir vorgestellt hast? Was war anders?

Ja, es war so wie ich es mir vorgestellt hatte und noch viel mehr. Istanbul hat sehr viele schöne, historische Plätze, es gibt viele interessante Menschen und Läden. Viele kulturelle Schichten vermischen sich. Das Chaos auf den Straßen mit vielen Menschen und Autos ist Gewöhnungssache, ist aber auch ungemein belebend. Die Menschen sind zudem sehr hilfsbereit, was viele Dinge erleichtert hat.

 

UNI

Am Anfang gab es zunächst ein großes Durcheinander, weil das unterschriebene Learning Agreement von der Yeditepe Universität nicht wie vereinbart ausgeführt werden konnte. All meine gewählten Fächer in Visual Design Communication, wurden nicht auf Englisch angeboten, oder waren nicht für Master-Studenten, also für den Master anerkannt. So musste ich mit meinem Koordinator auf die Schnelle neue Kurse finden, mit den Eigenschaften: für Master-Studenten, auf Englisch und sie sollten etwas mit meinem Schwerpunkt zu tun haben. Meine Koordinator fand dann Kurse im Schwerpunkt Social Media Management für mich und doch noch ein Kurs in Visual Design Communication. Ich machte also insgesamt vier Kurse für mein Schwerpunkt mit jeweils sechs ECTS: „Social CRM“, „New Economy and Marketing“, „Managing Diversity in Social Media: Intercultural Communication“ und „Visual Literacy“ (ein Foto Research-Project, in dem ich die verschiedenen Kulturschichten Istanbuls untersuchte). Ein Sprachkurs in „Turkish and Culture“ komplettierte meinen Stundenplan.

An der Gasthochschule fanden mehrere Veranstaltungen für Studenten statt, unter anderen das Spring Festival und der International Day speziell für Ausländische Studenten. An verschiedenen Ständen gab es Essen der jeweiligen Nationen und verschiedene Bands sorgten für die musikalische Unterhaltung.

LEBEN

Ich hatte glücklicherweise nur an drei Tagen in der Woche Vorlesung. Glücklicherweise, weil die Busfahrt zu Universität bis zu einer Dreiviertelstunde dauern konnte und relativ holprig war. Zudem waren die Vorlesungen immer gegen sieben Uhr abends, weil die türkischen Master-Studenten über den Tag über arbeiten gehen. So hatte ich den Tag über Zeit mich in der Stadt umzuschauen oder Lernmaterial aufzuarbeiten.

Um zu Studieren setzte ich mich gerne in ein Cafe namens „Simit Sarayi“, gleich um die Ecke von unserer Wohnung, auch weil es hier freies Internet gab und wir es nicht schafften Internet in der Wohnung zu installieren. Internet brauchte ich immer sowohl für das Studium als auch für die Kommunikation mit Deutschland, ohne die ich mein Heimweh (vor allem wegen meiner Freundin) nicht überwunden hätte. Eine sehr nette Nebenerscheinung in diesem Cafe war, dass ich mich mit den Besitzern angefreundet habe und immer wieder ein paar Wörter auf Türkisch wechseln konnte. Zudem liebte ich das Essen das es dort gab und den Cay (türkischer Schwarztee) sowie Sahlep (ein Heißgetränk aus Orchideen-Extrakt). So war dann Simit (nach dem traditionellen Beagle benannt) Sarayi mein Tor zur Welt, oder hin und wieder auch die Bibliothek der Universität. Dazu muss ich noch sagen, dass das Essen in der Türkei sehr lecker ist und mir immer gut bekommen hat. Die Türkei hat ein reichliches Angebot und viel traditionelles leckeres Essen das ich in dieser Häufigkeit in Deutschland nie gefunden habe. Unter anderem Essen mit den Namen: Iskender Döner, Sis Kebap, Adana Kebap, Ci Köfte, Köfte, Kasarle Kimale Pide, Pilav, Ayran haben es mir am meisten angetan. Deshalb ist das Essen auch eines der Dinge die ich jetzt am meisten vermisse.

In der Freizeit machte ich viele Ausflüge mit Erasmus Studenten: ging ein Bier trinken oder etwas Essen in das Ausgehviertel von Kadiköy, am Wochenende Tanzen in Taksim, Sightseeing wie eine Bosporus Tour , Moscheen oder Zisternen anschauen in Sultanahmet oder auch auf die in einer Stunde erreichbaren Prinzeninseln in der Nähe von Istanbul wo ich mich von dem Lärm und dem Verkehr, also dem täglichen Chaos der Megacity, erholen konnte.

An sportlichen Tätigkeiten ging ich dem Laufen nach, was ich in Kadigöy-Moda am Meer entlang, mit Aussicht auf die historische Halbinsel von Istanbul sehr schön praktizieren konnte oder ich spielte Basketball mit Freunden.

Während meiner Erasmus Zeit war ich einmal für ein längeres Wochenende in Olympos bei Antalya. Kleiner Tipp: Inlandsflüge sind sehr günstig, aber auch mit dem Reisebus kann man relativ komfortabel und sehr ökologisch Reisen. An organisierten Erasmus-Touren von der Universität aus nahm ich nicht teil, weil mir das Bus fahren zu lang und die Aufenthalte vor Ort zu kurz waren.

Am Ende des Erasmus machte ich noch eine zwei-wöchige Reise entlang der Westküste der Türkei mit meinen Freunden mit denen ich über die Erasmus Zeit am meisten Zeit verbrachte. Wir liehen uns dafür ein Auto für 280 Euro exklusive Benzin für acht Tage. Dabei ist zu beachten, dass das Benzin pro Liter um die 2 Euro kostet und somit um einiges teurer als in Deutschland ist. Nichts desto trotz war es sehr günstig und natürlich sehr abenteuerlich mit dem Auto auf den Serpentinen Sträßchen am Meer entlang zu fahren und deshalb sein Geld wert. Zudem sind die Lebenskosten in der Türkei allgemein gering und nicht zu vergleichen mit Europäschen Großstädten.

Wir starteten unsere Reise in Dalaman und fuhren über Fethiye, Kabak, Denisle (Pamukkale), Marmaris, Bodrum, Kusadasi nach Izmir. Dabei erlebten wir sehr viel, unter anderem sahen wir die Jahrtausendjahre alten historischen Ruinen von Hieropolis und Ephesus, die Kalkbäder von Pamukkale, die Burg von Bodrum, badeten oft in klarem blauen Wasser und sahen schöne Sonnenuntergänge.

Gab es Probleme vor Antritt der Reise? Hast du Tipps für Andere, die dasselbe vorhaben?

Ich kann jedem das Erasmus-Programm und Istanbul als Zielland empfehlen. Vor allem die kulturelle und soziale Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen. In Istanbul treffen viele verschiedene Kulturschichten aufeinander und es ist daher sehr spannend sich in dieser Stadt umzusehen. Langeweile kam bei mir nicht auf. Die Lebenshaltungskosten sind so gering, dass es sich mit dem Fördergeld gut leben lässt. Allein bei der Ausbildung muss der Student Abstriche machen, wenn ich an die privatisierte Yeditepe Universität denke, aber das ist ja nicht alles in einem Erasmus Leben.

Kontakt:

E-Mail: bs071@hdm-stuttgart.de