Auslandssemester in Singapur


EMM-Student Torsten Wiesner verbrachte sein Wintersemester 2011/12 in Singapur. An der Nanyang Technological University hat er den Master Mass Communication studiert.

Wie lange warst du im Ausland?

Insgesamt sind es 10 Monate 4,5 Monate Studium + 2,5 weitere Monate Reisen in der Region

Sprache des Landes

Englisch ist Amtssprache

Einschätzung deiner Sprachkenntnisse vor Antritt deines Aufenthalts

Gute Kenntnisse, aber sicher verbesserungsfähig
Wie bist du an den Platz gekommen?

Über das Auswahlverfahren des AAA – die NTU in Singapur ist eine Partnerhochschule der HdM.

Wie lange vorher hast du angefangen zu planen?

Etwa zehn Monate vor Abflug habe ich angefangen Informationen zu sammeln. Wichtig ist vor allem die Einhaltung der Bewerbungsfristen im AAA – die Fristen der Stipendien kommen erst danach.

Wo hast du dich informiert? Wie hast du dich vorbereitet?

Am Anfang bin ich einfach die Partnerhochschulen der HdM durchgegangen und habe geschaut wo die ganzen Unis liegen. Als ich mich für Singapur entschieden hatte, habe ich die meisten Infos online gefunden. Aber auch das AAA hat mir geholfen und der Austausch mit anderen Austauschstudierenden, die bereits in Singapur waren oder es wie ich planten. Da es in eine tropische Region ging, gehörten natürlich zur Vorbereitung auch einige Impfspritzen und die Auslandsversicherung.

Wie hoch sind deine Lebenshaltungskosten?

Die Kosten für Miete und Lebensmittel sind relativ gering. Ich teilte mir ein Zimmer im Wohnheim für S$200. Da in Singapur fast ausschließlich außer Haus gegessen wird, sind die Mahlzeiten mit S$ 3-5 sehr günstig und lecker. Teuer ist vor allem das Feiern in Clubs und Bars. Bei S$ 30 Eintritt kann man sich überlegen, ob lieber zweimal gefeiert oder ein Wochenendtrip gebucht wird. Da der Campus der NTU relativ weit außerhalb liegt, sollten auch die Kosten für Verkehrsmittel mit eingerechnet werden.
Insgesamt würde ich sagen, bin ich durch niedrige Miete mit ähnlichen Kosten wie zuhause ausgekommen, hinzu kommt aber natürlich das Geld für Dinge, die man wohl nur im Auslandssemester macht.

Wie finanzierst du den Aufenthalt?

Über das BaWü-Stipendium und Erspartes

Wo wohnst du? Wie hast du deine Unterkunft gefunden?

Ich hatte Glück und bin im Wohnheim auf dem Campus untergekommen – genauer gesagt: Hall 9, Block 42! Es gibt insgesamt 16 Wohnheime auf dem Unigelände, das fast einer eigenen Stadt gleicht. Trotzdem ist nicht genügend Platz für alle da und nicht jeder Austauschstudent kann ins Wohnheim. Da die Mietpreise in der Stadt 3-4mal so hoch sind, versteht man, warum ich von Glück rede, wenn ich mir auf dem Campus ein 15qm großes Zimmer zu zweit teilen durfte. Die Bewerbung für die Wohnheime geschehen mit der offiziellen Bewerbung an der NTU.

Wie lief die Visumsbeschaffung ab?

Die Visumsbeschaffung ist relativ einfach, wenn alle Papiere, die einem vor Abflug zugeschickt werden, ausgefüllt und zurückgeschickt werden. Die Bürokratie übernimmt die NTU! Die Einreise erfolgt mit einem Formular der Uni und nach 2-3 Wochen, einem Foto und einigen weiteren Fragebögen hält man seinen eigenen Studentenpass als Visum in den Händen.

War alles so, wie du es dir vorgestellt hast? Was war anders?

Es war fast alles anders, aber selten schlechter!

UNI

Die meisten Austauschstudenten der NTU sind Bachelor-Studierende und für diese gibt es auch ein Online-Tool zur Wahl und Vergabe der Kurse. Für mich gab es dies nicht, sodass ich nach wenigen Tagen den Gang zum Studienbüro im Schlaf hätte laufen können, während ich sonst anfangs auf dem Campus eher herumirrte. Fast alle Master-Vorlesungen finden am Abend zwischen 17 und 21 Uhr statt. Der Stundenplan sollte also gut überlegt sein und vor Ort kam ich auch in alle Kurse hinein, für die ich vorher noch eine Absage erhalten hatte. Leider ist es nicht möglich Sprachkurse als Masterstudent zu belegen und auch Bachelorkurse zu besuchen, war mir nicht erlaubt. Die Studienbedingungen sind dafür aber ideal. Faszinierend ist das internationale Umfeld. So treffen schnell in einem Kurs mit 30 Teilnehmern zehn Nationalitäten und Perspektiven aufeinander. Die meisten sind aber nicht wie ich Austauschstudent, sondern sind aus Indien, China, Malaysia, Indonesien etc. zum Studieren ausgewandert. Auch die technische Ausstattung war beeindruckend, ebenso wie die Auswahl in Bibliotheken und die Betreuung durch Professoren.

LEBEN

Es ist unheimlich faszinierend einige Monate in dieser Metropole zu leben. Selbst in dieser kurzen Zeit ist das Wachstum der Stadt ständig zu spüren. Von den traditionellen Plätzen in China-Town oder Little India sind es nur wenige Minuten bis zur glitzernden Konsumwelt um die Orchard-Road oder der perfekt inszenierten Promenade am Marina Bay mit der Skyline im Rücken. Manchmal verfällt man leicht in den Bann der Bilder einer heilen Welt, einige Male wurden aber auch die Risse Welt deutlich, wenn ich mich mit anderen Studenten, Taxifahrern oder Passanten unterhielt. Es gibt einen Haufen an Verboten und Gesetzen, denen zu folgen ist. Singapur ist zwar sicherlich eine „weiche Landung“ auf dem asiatischen Kontinent, da vieles eher westlich orientiert statt fernöstlich anmutet, doch bleibt Singapur ein in Asien verwurzeltes Land. Es ist spannend zu erleben, wie die verschiedenen Kulturen auf dem beschränkten Platz zueinandergefunden haben. Etwa drei Viertel der mehr als fünf Millionen Einwohner des Landes haben einen chinesischen Ursprung. Dazu gesellen sich vor allem Menschen aus Malaysia und Indien. Diese Mischung wird auch in einem der Lieblingsbeschäftigung aller Einwohner deutlich: dem Essen. Es ist einfach großartig! Überall findet man große und kleine Essenshallen, in denen Tag und Nacht alle Küchen Asiens probiert werden können. Schnell wurde es auch zu einer meiner Lieblingsbeschäftigung sich auf den gelben Plastikstühlen niederzulassen, das Essen mit Stäbchen zu perfektionieren und das Gewusel um mich herum zu beobachten. Zum Leben in Singapur gehört auch das Reisen in die Nachbarländer, denn Singapur ist der perfekte Startplatz für Trips in Südost-Asien. Nach Malaysia kann kostengünstig mit dem Bus gefahren werden, die ersten Inseln Indonesiens sind schnell per Schiff zu erreichen und das Angebot der Budget-Airlines von Singapur aus ist gewaltig. Ich habe mich während des Semesters auf einige wenige Kurz-Trips beschränkt, um nach den Klausuren für 2,5 Monate zu reisen. Dabei wird ziemlich schnell deutlich, dass Singapur kein Maßstab für die ganze Region ist sondern alles noch mal anders wird, sobald die Grenze überschritten ist. Um diese Erfahrung machen zu können, ist Singapur aber der perfekte Ausgangspunkt.

Gab es Probleme vor Antritt der Reise? Hast du Tipps für Andere, die dasselbe vorhaben?

Bei mir gab es eine kurze Unsicherheit bei der Vergabe der Zimmer im Wohnheim. Bevor aber alles über den Haufen geschmissen wird, erstmal hinfliegen! Irgendwo sind am Ende alle untergekommen und überhaupt lässt sich das meiste vor Ort besser regeln als vorher. Auch wenn vor dem Abflug einige Fragen offen waren, war am Ende alles sehr gut geregelt. Es gilt also: einfach machen! Denn nur so erfahrt ihr, dass heiße Getränke auch aus Plastikbeuteln getrunken werden können, Hühnerfüße nach gar nichts schmecken und Singlish die eigentliche Amtssprache in Singapur ist.

Kontakt:

E-Mail: torsten_wiesner@gmx.de