Die Masterstudierenden des zweiten Semesters widmen sich gemeinsam mit Studiendekan Prof. Dr. Harald Eichsteller in diesem Semester einem Herzensprojekt und unterstützen den Verein “nesola – nicht allein e. V.” Wir waren mit Josephine Kellner, der Vorstandsvorsitzenden von “nesola – nicht allein e.V.” im Gespräch und sie hat uns von ihren Inspirationen, persönlichen Erfolgen sowie der Vereinsarbeit erzählt. Lest selbst!

 

Anna: Zum Start ein paar Infos zu dir: Wer bist du eigentlich und was machst du neben der Vereinsarbeit für “nesola – nicht allein e. V.”?

Josie: Ich heiße Josephine Kellner und wohne derzeit noch in Jena, werde aber aufgrund meines neuen Jobs bald nach Erfurt umziehen. Aufgewachsen bin ich allerdings in der Nähe von Nürnberg. Neben der Vereinsarbeit habe ich meinen Bachelor in Soziale Arbeit mittlerweile abgeschlossen und arbeite nun für “MitMenschen e. V.” in einer Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Ausländer in Erfurt.

 

Anna: Was hat dich dazu inspiriert, bedürftige Kinder und Jugendliche in Afrika zu unterstützen?

Josie: Ich hatte schon immer eine Faszination für Afrika und wollte nach dem Abi unbedingt für ein halbes Jahr ehrenamtlich in Afrika etwas bewegen und Land und Leute kennenlernen. 2011 habe ich mich dann dafür entschieden nach Ghana zu gehen und dort in einem Waisenhaus und einer Schule gearbeitet. In dem halben Jahr dort habe ich wundervolle Erfahrungen gemacht und das Land, die Leute, die Kultur und das Essen lieben gelernt, aber auch viel Leid sehen müssen. Kinder, die krank sind und dennoch kein Geld für die Behandlung beim Arzt haben. Ein Mädchen in dem Waisenhaus starb ein Jahr nach meinem Aufenthalt in Ghana an Aids und andere Kinder sah ich gefangen in der Not zu arbeiten, statt zur Schule zu gehen, um ihre Familien zu ernähren. Schon damals dachte ich, dass ich es bei ein bisschen Volontärarbeit nicht belassen möchte, sondern gerne nachhaltig versuchen möchte zu helfen. 

 

 

Anna: Wie kamst du auf die Idee, den Verein “nesola – nicht allein e. V.” zu gründen? Was für eine Rolle spielte dabei eure jetzige Partnerorganisation “Afframsikpa Children Foundation” aus Ghana?

Josie: In meiner Zeit als Volontärin habe ich auch Christian Affram kennengelernt, den ich nach weiteren Besuchen in Ghana darin unterstützt habe, einen Verein, die “Afframsikpa Children Foundation”, in Ghana aufzubauen. Daraufhin habe ich in der Schule, in der er lehrt und die wir nun unterstützen, gemeinsam mit einer Freundin, die nun 2. Vorsitzende von “nesola – nicht allein e.V.” ist, ausgeholfen. In der Zeit haben wir auch immer wieder bemerkt, wie viel schwerer es die Kinder dort haben und mit wie wenig man schon einen großen Unterschied machen kann. Ich habe also für den nächsten Besuch privat Gelder und Sachspenden gesammelt und da ich auf so viel positive Resonanz gestoßen bin, habe ich beschlossen einen Verein zur Unterstützung der Projekte in Ghana zu gründen. Glücklicherweise haben meine Familie und Freunde mich darin unterstützt und sind auch Mitglieder bei “nesola – nicht allein e. V.”.

 

Anna: Was für eine Rolle kommt dir als Vorstandsvorsitzende zu?

Josie: Meine Rolle im Verein ist Mädchen für alles, ich schreibe die Berichte, halte Kommunikation zu den Mitgliedern und Spendern über die Projekte und neue Ideen und bin im ständigen Kontakt mit Christian Affram über den Stand, die Entwicklung, Umsetzung von Projekten sowie über Ideen und Verbesserungen. Ich bin also die Kommunikationslinie zwischen den Welten.

 

Anna: Welche Regionen in Ghana unterstützt “nesola – nicht allein e. V.”?

Josie: Wir unterstützen das Dschungeldorf Atsusikpa Kofe bei Pakro in der Eastern Region von Ghana und eine Dorfschule und die Gemeinschaft in Vakpo New Adomi in der Volta Region.

 

Anna: “nesola – nicht allein e. V.” sitzt in Jena. Wie findet die Kommunikation mit den Menschen in Ghana statt und wie gelangen Spenden dorthin? Besuchen die Vereinsmitglieder die unterstützten Regionen?

Josie: Die Kommunikation findet modern auf Englisch über WhatsApp, Telefonate, E-Mails und Besuche statt und hauptsächlich zwischen Christian Affram und mir. Wenn ich vor Ort bin, bin ich allerdings auch im ständigen Austausch mit den Dorfbewohnern, der PTA (Parents and Teachers Association), den Kindern und Lehrern. Die finanziellen Spenden werden einmal im Quartal überwiesen um die Überweisungskosten zu minimieren. Da wir keinerlei Spenden für Kosten der Vereinsführung, Marketing oder Ähnlichem verwenden, werden die Überweisungskosten von Mitgliedsbeiträgen gedeckt. Wir sind als gemeinnützig anerkannt und können somit auch Spendenbescheinigungen für Spender ausgeben, was natürlich hilfreich ist, besonders bei großen Spendern. Sachspenden sammeln wir nur, wenn jemand von uns oder Bekannte nach Ghana fliegen und diese dann mitnehmen können. Einige Mitglieder waren selber schon in Ghana und haben auch in den Projekten geholfen. Da aber natürlich jeder die Kosten privat trägt (so auch ich), ist es natürlich nicht möglich, dass alle Mitglieder die Projekte besuchen.

 

Anna: Welche konkreten Projekte stellt “nesola – nicht allein e. V.” auf die Beine?

Josie: Wir arbeiten in den Bereichen Grundversorgung, Bildung, Gesundheit, Mobilität und Entwicklung. Dabei haben wir zum Beispiel einen Hort in Atsusikpa Kofe aufgebaut und alle Kinder in beiden Projekten mit einer Krankenversicherung ausgestattet. Wir haben Fahrräder besorgt, einen Rollstuhl für einen Jungen mit Behinderung, stellen Schulmaterialien bereit und konnten einem Kind die Senior High School finanzieren. Er wird dieses Jahr sein Abitur beenden. Außerdem versorgen wir 65 Kinder in der Schule mit einem warmen Mittagessen und 35 Waisenkinder und weitere benachteiligte Kinder in Atsusikpa Kofe mit mehreren Mahlzeiten täglich.

 

Anna: Was war für dich der bisher größte Erfolg eurer Vereinsarbeit?

Josie: Für mich persönlich ist der größte Erfolg, dass wir eine kontinuierliche Unterstützung für die Kinder und Jugendlichen sein können und damit nachhaltige positive Veränderungen herbeiführen konnten. Dass die Menschen in der Gemeinschaft dies anerkennen und gemeinsam so stark mit uns zusammenarbeiten, ist für mich persönlich eine große Ehre und Freude.

 

Weitere Infos zum Verein und den Projekten findet ihr auf der Website von “nesola – nicht allein e. V.”.