Wie wir die Welt mit Kreativität etwas besser machen – ein Interview mit Sven Dörrenbächer

Als CEO und Mitgründer der Kreativagentur antoni hat Sven Dörrenbächer mit seinem Team jahrelang maßgeschneiderte Kommunikation für Marken wie Mercedes-Benz, Vodafone oder Aldi realisiert. Doch auch der soziale Zusammenhalt ist ein zentrales Thema in seiner Karriere. Deshalb hat er mit einigen Kolleg:innen aus der Kreativbranche das gemeinnützige Netzwerk C_SR gegründet.

Mit #ZusammenGegenCorona mobilisierte er über 1.000 Unternehmen – von BMW über Lufthansa, McDonald’s und auch Henkel – für eine gemeinsame Pro-Impfkampagne. Mit #ZusammenFürDemokratie wiederholte er das Prinzip zur Wahl 2025 – auf Wunsch der Unternehmen: die Bewegung konnte nachweislich zehn Prozent der Nichtwähler für demokratische Parteien aktivierten.

Wer mit ihm zusammenarbeitet, merkt schnell: Hier sitzt jemand, der die Welt nicht nur beobachtet, sondern aktiv gestalten möchte.

Das Thema, das ihn derzeit am meisten beschäftigt, ist Künstliche Intelligenz. In seinem Buch EMBRAICE gibt er Führungskräften einen Kompass an die Hand, um den KI-Wandel nicht als Bedrohung, sondern als Chance zu begreifen.

Im Rahmen der Vorlesung CRM/Social Media von Prof. Harald Eichsteller coachte Sven Dörrenbächer Medienmasterstudierende bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Projekte. Darunter soziale Initiativen im Ansatz des Mindful Marketings sowie Personal-Branding-Strategien. Was es mit dem Begriff Mindful Marketing auf sich hat und wie er auf das gemeinsame Semester blickt, haben wir ausführlich mit ihm besprochen.



Du bist dieses Jahr unser Praxispartner im Modul CRM/Social Media. Unsere Aufgabe war es, ein Projekt zum Thema Mindful Marketing zu entwickeln – ein Begriff, den Du geprägt hast. Was bedeutet Mindful Marketing

Mich treibt seit jeher die Frage: „Wie kann Kreativität die Welt ein wenig besser machen?“ Diesen Gedanken teile ich gerne mit Studierenden, um das Bewusstsein für unser aller gesellschaftlichen Verantwortung zu schärfen – privat wie beruflich. Wer später in Medien, Marketing oder Kreativität arbeitet, hat einen gewaltigen Hebel.

Mindful Marketing ist ein werteorientierter Ansatz, der soziale und ökologische Verantwortung in jeden Aspekt des Marketingprozesses integriert. Mit einem Regenbogen-Posting zum Pride Month ist es nicht getan – das ist nur Dekoration. Idealerweise startet der Ansatz in der Produktentwicklung und beleuchtet jeden Aspekt der Wertschöpfungskette bis zum Dialog mit der Kundschaft.

Du hast unsere Projekte vom ersten Tag an begleitet und mit Deinem Coaching Tipps zur Ausarbeitung der Ideen beigetragen. Wie war die Zusammenarbeit mit den Studierenden für Dich?

Ich habe das Seminar mit einer ebenso hohen Lernkurve erlebt wie die Studierenden. Fantastisch. In einer Zeit, in der die Gesellschaft „überdigitalisiert” ist, kommt eine junge Generation, die sagt: „Schaut weniger aufs Handy. Macht euch nicht zu Sklaven von Trackingdaten. Achtung bei KI-generierten Inhalten.”. Tolle Thesen für die im Seminar entwickelten Initiativen.
Dieser kritische, fast schon digitale Minimalismus hat zu Initiativen mit fundamentaler Substanz geführt. Das war für mich der beste Beweis, dass der Austausch kein einseitiger Wissenstransfer ist, sondern ein gemeinsames Sparring.

Als Experte aus der Kreativbranche gibt es manchmal bestimmt Situationen, in denen man denkt: „Hmm, ich würde das jetzt eher so machen.”. Wie findest Du in Deinem Coaching eine Balance zwischen „kreativen Input geben“ und „einfach machen lassen”?

Ich sehe meine Aufgabe darin, jede und jeden ein Stück besser zu machen. Schlau daherreden und Lösungen diktieren? Falscher Weg. Ich bin ein Freund von hohen Freiheitsgraden und Eigenverantwortung. Mein Job ist es, die richtigen Fragen zu stellen – nicht die Antworten vorzukauen.

Du hast gemeinsam mit einigen Kolleg:innen aus der Branche C_SR, eine gemeinnützige, ehrenamtliche Initiative gegründet. Wie kam diese Idee und welche Lücke in der Kreativbranche möchtet Ihr mit Eurer Arbeit füllen?

C_SR ist eine Plattform, auf der Non-Profit-Organisationen und die Kreativindustrie zusammenkommen. NPOs bringen Briefings ein, die von Agenturen, Medien und Produktionshäusern pro bono umgesetzt werden. Gestartet sind wir im Februar 2024, als Deutschland solidarisch gegen rechtspopulistische Parolen und Parteien auf die Straße ging.
Unser Ziel: jeden Monat eine Aufgabe für Demokratie und Freiheit vermitteln und Kreativen einen leichten Zugang zu gesellschaftlichem Engagement geben – mit allem, was sie im Beruf gelernt haben.

Was war denn im Rahmen Eurer Arbeit Dein Lieblingsprojekt und warum?  

Gute, aber gemeine Frage. Wir haben 25 großartige Projekte realisiert – jedes einzelne verdient es, genannt zu werden. Was sie alle eint: echte Leidenschaft und ein hohes Engagement, sich für den guten Zweck einzusetzen.
In diesem Rahmen durfte ich oft mit Margot Friedländer eng zusammenarbeiten. Eine Begegnung, die mich nachhaltig beeindruckt und inspiriert hat.

Bist Du der Meinung, Unternehmen sollten öfter den Fokus auf Mindfulness setzen?

Klares Ja. Studien belegen, dass Unternehmen mit Purpose erfolgreicher sind. Sie binden langfristig die besseren Talente und treueren Kunden, was sich u.a. positiv in der Firmenkasse bemerkbar macht. Darüber hinaus ist der gesellschaftliche Beitrag unbezahlbar.

Und wenn Du abschließend auf die aktuelle Lage der Medienbranche blickst, was würdest Du Masterstudierenden für ihre berufliche Zukunft raten?

Bleibt stets neugierig und hartnäckig. Je nach Blickwinkel kann man heute sagen: Die derzeitigen Rahmenbedingungen machen einen Berufsstart schwierig.
Oder man sieht die Chancen: Es war noch nie so gut wie jetzt, als neugieriger und hartnäckiger Mensch durchzustarten – die Wahl liegt bei euch.